Das Kultusministerium Sachsens gerät wegen eines umstrittenen Schulworkshops in Görlitz zunehmend unter Druck. Im Mittelpunkt steht ein Projekt des Dresdner Vereins „Gerede e. V.“, bei dem laut Achse des Guten eine Transperson Schülern der siebten Klasse der Oberschule Görlitz-Rauschwalde Inhalte zu Geschlechtsidentität und medizinischen Geschlechtsangleichungen vermittelt haben soll.
Dem Bericht zufolge fand der Projekttag zu Beginn des Schuljahres 2024 statt. Demnach arbeitete eine externe Person im Rahmen eines Workshops mit mehreren siebten Klassen. Laut dem Bericht wurden zunächst Themen wie gleichgeschlechtliche Beziehungen behandelt. Später sei es unter anderem um medizinische Schritte bei Geschlechtsumwandlungen gegangen. Dabei sei auch erklärt worden, dass die Krankenkassen die Kosten entsprechender Eingriffe übernehmen könnten.
Auf Anfrage von Achse des Guten wies die Schulleitung der Oberschule Görlitz-Rauschwalde zunächst zurück, entsprechende Projektwochen durchgeführt zu haben. Auf weitere Nachfragen reagierte die Schule dem Bericht zufolge nicht mehr inhaltlich, sondern erkundigte sich lediglich, für welches Medium der Autor arbeitet.
Anschließend bestätigte das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) dem Medium gegenüber, dass „Gerede e.V.“ im Rahmen eines Schulprojekts tatsächlich an der Schule tätig gewesen sei. Laut der Behörde fanden die Workshops jeweils an einem Schultag in drei siebten Klassen statt. Nach Angaben des LaSuB waren während der Veranstaltungen stets Personen aus dem Schulbetrieb anwesend. Für die Schule seien keine Kosten entstanden, da das Projekt gefördert wurde. Die Teilnahme wurde offenbar über die Schulsozialarbeit in Abstimmung mit der Schulleitung organisiert. Besonders kritisch bewertet wird, dass die Eltern laut Auskunft der Behörde im Vorfeld nicht informiert worden sind. Die Schulleitung habe hingegen Kenntnis über die Inhalte gehabt.
Der Verein „Gerede e. V.“ beschreibt sich selbst als Organisation für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Auf seiner Internetseite wirbt er mit Bildungsangeboten für Schulen und Jugendeinrichtungen in Dresden und Ostsachsen. Zum Konzept gehört laut Verein auch ein „Ehrenamtsteam“ aus jungen Menschen, „die ihre gelebte Erfahrung als lesbische, schwule, bisexuelle, asexuelle, trans*, inter* oder nichtbinäre Person mitbringen und unter anderem das autobiografische Erzählen nutzen.“
Weiter führt der Verein auf seiner Webseite folgende Ausbildungsinhalte auf: „verschiedene sexuelle und romantische Orientierungen, Beziehungsmodelle und Geschlechtsidentitäten sowie Intergeschlechtlichkeit, Konfliktmanagement/Intervention, Antidiskriminierung, Gruppenarbeit, Kommunikation, Reflexionsfähigkeit, Einübung der Teamer*innenrolle, Planung, Erprobung und Reflexion diskriminierungssensibler und sexualpädagogischer Methoden“.
Die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag fordert nun Konsequenzen und verweist auf mögliche Verstöße gegen die Informationspflichten gegenüber den Eltern. Der Landtagsabgeordnete Tobias Heller sagte dazu: „Steuergelder dürfen weder für ‚queere Geflüchtete‘ eingesetzt werden noch für Schulprojekte, die Transsexualität bewerben“. Er erwarte von CDU-Kultusminister Conrad Clemens, dass er „derartige Vorkommnisse unterbindet“.
Wie aus einer Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag hervorgeht, erhält der Verein seit Jahren Fördermittel des Freistaats Sachsen. In der Antwort der Staatsregierung sind zahlreiche Projekte und Fördersummen aufgeführt. Unter anderem wurden demnach Projekte zur Beratung queerer Geflüchteter, Bildungsangebote sowie Programme zur Förderung von Vielfalt finanziert. Für das Projekt „Fachberatung für queere Geflüchtete in Sachsen“ wurden für die Jahre 2024 und 2025 insgesamt mehr als 433.000 Euro ausgezahlt. Weitere Förderungen betreffen Bildungs- und Beratungsprojekte im ländlichen Raum sowie Demokratie- und Antidiskriminierungsarbeit.
Die AfD verweist außerdem auf personelle Überschneidungen zwischen dem Vereinsvorstand und staatlichen Stellen. Laut Heller gehört Christine Dallmann sowohl dem Vorstand des Vereins als auch dem Umfeld des von der CDU geführten Kultusministeriums an. Zudem sei Vorstandsmitglied Anja Meschzan beim Landesamt für Schule und Bildung beschäftigt. Heller bewertet diese Verflechtungen als „sehr kritisch“.
