In der spanischen Hauptstadt hat sich heute, Samstag, der politische Unmut gegen Ministerpräsident Pedro Sánchez entladen.
Meer an Nationalflaggen
Zehntausende Demonstranten zogen durch Madrid und forderten den Rücktritt des sozialistischen Regierungschefs.
Während Regierungsvertreter von rund 40.000 Demonstranten sprachen, nannten die Organisatoren mehr als 100.000 Teilnehmer. Spanische Medien berichteten von einem Meer aus Nationalflaggen, Plakaten gegen die sozialistische Regierung und Sprechchören gegen Sánchez.
Korruptionsaffären als politischer Brandbeschleuniger
Auslöser der Proteste sind die kürzlich zutage getretenen Korruptionsaffären. Zuletzt stand der frühere sozialistische Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero im Rampenlicht, dem illegale Einflussnahme und Geldwäsche vorgeworfen wird; es gilt die Unschuldsvermutung.

Selbst nicht unumstritten
Für die Demonstranten ist Zapatero mehr als nur ein früherer Regierungschef. Er gilt als politischer Verbündeter Sánchez’, weshalb der Zorn auch die derzeitige Regierung adressiert. In den Parolen ging es nicht nur um einzelne Ermittlungen, sondern um den Vorwurf eines ganzen Systems aus Machtmissbrauch, Begünstigung und politischer Selbstabsicherung.
Auch andere Affären aus dem Umfeld der Sozialisten belasten Sánchez seit Langem, denn er steht seit 2024 unter Druck, unter anderem wegen Ermittlungen gegen seine Ehefrau Begoña Gómez, die diese als politisch motiviert zurückweist.
PP und Vox gemeinsam auf der Straße
Politisch bemerkenswert war die offene Unterstützung aus dem rechten und konservativen Lager. Vertreter der Partido Popular (PP) und der Rechtspartei Vox nahmen an der Kundgebung teil. Unter den bekannten Teilnehmern wurden unter anderem Santiago Abascal, Esperanza Aguirre sowie weitere Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Opposition genannt.
Die Demonstration verlief friedlich. Gegen Ende kam es jedoch zu Auseinandersetzungen, als eine Gruppe versuchte, näher an den Regierungssitz bei der Moncloa vorzudringen. Spanische Medien und Reuters berichteten von drei Festnahmen und sieben verletzten Polizisten.
Migration als zweiter Hintergrund der Proteste
Neben den Korruptionsvorwürfen spielt auch die Einwanderungspolitik eine wichtige Rolle. Die spanische Regierung hatte im Frühjahr angekündigt, Einwanderern ohne gültige Papiere Zugang zur kostenlosen Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Davon sollten Personen profitieren, die vor dem 31. Dezember 2025 nach Spanien gekommen sind, mindestens fünf Monate im Land gelebt haben und nicht vorbestraft sind.
Gleichzeitig leiden die echten Spanier unter hohen Wohnkosten, Steuern und Arbeitslosigkeit. Für sie gibt es aber keine Entlastungen.
Wahlschlappen erhöhen den Druck
Deshalb verpassten sie den Sozialisten bei den jüngsten Regionalwahlen einen Denkzettel. In Aragón kamen sie noch auf rund 24 Prozent, während die PP stärkste Kraft wurde und Vox deutlich zulegen konnte. Auch in Andalusien gab es das gleiche Ergebnis. Vor allem die rechte Vox ging als neuer Stern am politischen Himmel hervor.
Damit entsteht für Sánchez eine gefährliche politische Mischung: Korruptionsaffären im eigenen Umfeld, schlechte Regionalwahlergebnisse, wachsende Unzufriedenheit mit der Überfremdung und Wohnungsnot sowie eine Opposition, die auf der Straße und in den Regionen an Stärke gewinnt.
Spanien blickt auf einen möglichen Machtwechsel
Die Demonstration von Madrid war deshalb mehr als ein einzelner Protesttag. Sie war ein Signal für den nächsten nationalen Machtkampf. Die PP hofft auf einen Regierungswechsel, Vox will die politische Agenda weiter nach rechts verschieben und hat gute Chancen, dass dies bald gelingt.
