Stimmungstest vor Präsidentenwahl in Frankreich: Rechte Kandidaten ziehen durch

Die langjährige RN-Chefin Marine Le Pen kann sich freuen. Die Franzosen wünschen immer mehr rechte Politik.
Foto: Vox España / wikimediacommons.org (CC0 1.0 Universal)

Die erste Runde der Kommunalwahlen in Frankreich hat deutliche Zugewinne im rechten Lager gebracht.

Deutlich stärker als vor sechs Jahren

Kandidaten des Rassemblement National (RN) lagen nach Angaben des Innenministeriums in 58 Kommunen auf dem ersten Platz – deutlich mehr als bei der letzten Wahl 2020, als dies nur in elf Gemeinden der Fall war.

Besonders im Süden des Landes konnte der RN punkten. In Perpignan wurde Bürgermeister Louis Aliot bereits im ersten Wahlgang im Amt bestätigt, nachdem er die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht hatte. Perpignan bleibt damit die größte Stadt Frankreichs, in der der RN das Bürgermeisteramt innehat.

Deutlicher Vorsprung in Toulon

In Toulon zeichnet sich ebenfalls ein Erfolg für die Rechtspartei ab. Dort liegt die RN-Abgeordnete Laure Lavalette nach Hochrechnungen deutlich vor der parteiunabhängigen Amtsinhaberin Josée Massi.

Sollte sie sich in der zweiten Runde durchsetzen, wäre dies ein weiterer symbolträchtiger Erfolg, zumal der RN die Stadt bereits in den 1990er-Jahren einmal regierte.

Rechts unabhängig von Partei

Auch in anderen Städten bestätigten sich bestehende RN-Hochburgen. Die Bürgermeister von Hénin-Beaumont und Fréjus konnten laut Innenministerium ihre Ämter verteidigen. Zudem tritt in Nizza der einflussreiche Rechte Éric Ciotti an, der mit dem RN verbündet ist und in Umfragen komfortabel führt.

Symbolträchtig: Marseille und Paris

In Marseille liefern sich das linke und das rechte Lager ein besonders enges Rennen. Der amtierende sozialistische Bürgermeister Benoît Payan und der RN-Kandidat Franck Allisio kamen in der ersten Runde nahezu auf denselben Stimmenanteil. Beide qualifizierten sich für die Stichwahl.

In der Hauptstadt Paris liegt der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire, von den Grünen unterstützt, vorne. Er tritt als Nachfolger der langjährigen Bürgermeisterin Anne Hidalgo an und erreichte in der ersten Runde deutlich mehr Stimmen als seine konservative Herausforderin Rachida Dati. Für die zweite Runde qualifizierten sich neben Grégoire und Dati auch der Mitte-Rechts-Politiker Pierre-Yves Bournazel, die linkspopulistische Kandidatin Sophia Chikirou sowie die rechte Kandidatin Sarah Knafo.

Historisch niedrige Beteiligung

Nach ersten Schätzungen gaben nur rund 56 bis 58,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab – einer der niedrigsten Werte in der Fünften Republik, abgesehen von der Corona-Wahl 2020.

Zwar sind kommunale Abstimmungen auch in Frankreich stark von lokalen Persönlichkeiten und Themen geprägt, doch die Ergebnisse geben Hinweise darauf, wie die Präsidentschaftswahl in einem Jahr ausgehen könnte. Das gute Abschneiden des RN und die Stabilisierung rechter und konservativer Kräfte in mehreren größeren Städten zeigen die Richtung.

Bedeutung der ersten Runde

In der zweiten Runde der Kommunalwahlen werden Koalitionen und strategische Rückzüge vor allem auf linker Seite die endgültigen Ergebnisse in Gemeinden, die sich nicht gleich im ersten Wahlgang festlegten, dominieren, sodass die Ergebnisse für die rechten Parteien weniger gut aussehen könnte. Das ändert aber nichts daran, dass die Franzosen klar signalisierten: rechts vor links.

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