
Berliner, die auf dem Gehweg ausrutschen, Straßen, die vereist sind, Wege, die zugeweht sind: In Deutschland scheint der Winterdienst bewusst vernachlässigt zu werden. Früher klappte es besser. Dass es besser geht, zeigen die Verhältnisse in Polen und Tschechien.
Kaum bricht der Winter mit Schneefall, Eis und Glätte ein, bricht die deutsche Infrastruktur zusammen. In diesem Jahr ist es besonders auffällig, wie wenig Räumungs-Fahrzeuge im Einsatz sind, wie wenig geräumt und gestreut wurde. Absurde Szenen spielten sich auf den Straßen vieler deutscher Städte ab. In Berlin beispielsweise gibt es viele Fußwege, Brücken, Radwege und Straßen, die wegen Schnee und Eis kaum befahr- oder begehbar sind. Menschen müssen sich an Treppengeländern festhalten, um eine Brücke zu überqueren ohne zu stürzen.
In Berliner Krankenhäusern gibt es vermehrten Andrang von Patienten, die sich nach einem Sturz auf dem Gehweg etwas gebrochen oder sich anderweitig verletzt haben. Eine Krankenschwester eines Berliner Krankenhauses berichtete der Redaktion, dass mittlerweile künstliche Hüftgelenke knapp werden, weil es so viele akute Fälle von Menschen gebe, die sich wegen des Glatteises und festgetretenen Schnees beim Ausrutschen zum Teil stark verletzt haben.
Dabei gab es bereits vor mehr als zwei Wochen schon ähnliche Probleme, als Blitzeis den Berlinern zu schaffen machte und die Krankenhäuser schnell überfüllt waren.
Warum geht es in anderen Ländern besser?
Uns erreichen Berichte, wonach es in unseren Nachbarländern wie Polen oder Tschechien deutlich besser klappt mit dem Schneeräumen und Reinigen der Straßen und Gehwege.
In Deutschland spielt nicht nur der Personalmangel eine Rolle. Es scheint auch ein System dahinter zu stehen, die Räumung der Verkehrsinfrastruktur von Eis und Schnee zu vernachlässigen, denn es geht ja um Ressourcen, um das Klima und um Umweltstandards.
Ein Tscheche berichtet uns von seiner letzten Autofahrt von Berlin nach Tschechien im Winterwetter:
“Die Fahrt von Berlin nach Brünn in der Nacht vom 09. auf den 10. Januar 2026 offenbarte eine Situation, die für ein Land, das als Sinnbild für Infrastruktur, Organisation und Sicherheit gilt, schlicht schockierend ist.
Auf den deutschen Autobahnen war kein einziges Fahrzeug des Winterdienstes zu sehen. Weder Streufahrzeuge noch Schneepflüge noch irgendeine erkennbare Form des Einsatzes. Über weite Strecken waren die Autobahnen durchgehend mit mehreren Zentimetern festgefahrenem Schnee und Eis bedeckt, stellenweise handelte es sich um blankes Eis. Das Fahren erinnerte eher an eine Fahrt über eine Eisbahn als über das Rückgrat des Verkehrsnetzes eines der reichsten Länder Europas.
Die Geschwindigkeit war durch diesen Zustand massiv eingeschränkt. Schneller als neunzig Kilometer pro Stunde war praktisch nicht zu fahren, und selbst diese Geschwindigkeit konnte nur vereinzelt und auf kurzen Abschnitten erreicht werden. Meist bewegte sich der Verkehr deutlich langsamer, begleitet von permanenter Anspannung und der ständigen Gefahr eines Kontrollverlustes.”
Zahlreiche verunglückte Fahrzeuge
Weiter berichtet er:
“In den Straßengräben entlang der Autobahnen waren zahlreiche verunglückte Fahrzeuge zu sehen, die auf dem vereisten Untergrund die Kontrolle verloren hatten. Pkw und Lieferwagen standen verlassen im Schnee, häufig ohne Warnbeleuchtung – ein bedrückendes Zeugnis dafür, dass viele Fahrer ihre Fahrzeuge zurücklassen mussten. Es handelte sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um ein sich ständig wiederholendes Bild entlang der gesamten Strecke.
Die Sicht war in den Nachtstunden eingeschränkt, die Temperaturen lagen deutlich unter dem Gefrierpunkt, und die Fahrbahn blieb vollständig ungeräumt! Dennoch war keinerlei ernsthafter Versuch erkennbar, die Situation zu entschärfen. Keine präventiven Maßnahmen, kein systematischer Einsatz von Technik, keine Warnungen, die dem tatsächlichen Zustand der Fahrbahn entsprochen hätten. Die Autofahrer wurden den Witterungsbedingungen und den physikalischen Gegebenheiten schlicht überlassen.”
In Tschechien waren Fahrbahnen besser geräumt als in Deutschland
“Umso auffälliger und beschämender war der Kontrast nach dem Überqueren der Staatsgrenze. Auf tschechischer Seite waren die Autobahnen vergleichsweise gut geräumt, die Fahrbahnen deutlich besser befahrbar, und der Winterdienst war sichtbar im Einsatz. Schneepflüge und Streufahrzeuge waren regelmäßig zu sehen, und der Zustand der Straßen entsprach den schwierigen winterlichen Bedingungen. Der Übergang von Chaos zu einer zumindest grundlegend funktionierenden Situation war unmittelbar spürbar.
Diese Nacht offenbarte damit ein gravierendes Versagen des deutschen Staates bei einer seiner elementarsten Aufgaben: der Gewährleistung der Sicherheit auf zentraler Verkehrsinfrastruktur. Es handelte sich nicht um einen plötzlichen, lokalen Wetterumschwung, sondern um großflächige winterliche Bedingungen, die meteorologisch vorhersehbar gewesen sein mussten. Dennoch versagte das System.
Für viele Autofahrer bedeutete dies nicht nur Unannehmlichkeiten, sondern eine reale Gefährdung von Gesundheit und Leben. Eine Situation, die noch vor wenigen Jahren in Deutschland als unvorstellbar und inakzeptabel gegolten hätte, wurde in dieser Nacht zur Realität.
Diese Erfahrung bleibt ein frostiges Zeugnis dafür, wie schnell etwas zerbrechen kann, das über Jahrzehnte hinweg als Selbstverständlichkeit galt.”