Einem deutschen Gymnasiasten droht ein Gerichtsverfahren, weil er mehrere satirische Bilder veröffentlicht hat, in denen ein deutscher Militäroffizier verspottet wird.
Die Staatsanwaltschaft in Freiburg bestätigte am 31. Oktober gegenüber der Berliner Zeitung, dass sie Anklage wegen Verleumdung gegen einen 18-jährigen Schüler des Angell-Gymnasiums erhebt.
Dem Schüler, der in deutschen Medien als “Bentik S” bezeichnet wird, wird vorgeworfen, manipulierte Fotos eines Bundeswehroffiziers verbreitet zu haben, auf denen dem Offizier angeblich “persönliche Verbindungen zur nationalsozialistischen Organisation SS” und “eine verfassungswidrige menschenverachtende Haltung” unterstellt worden seien.
Das Verwaltungsgericht Freiburg wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob es ein Verfahren einleitet oder nicht.
Im Februar hatte der Armeeoffizier an der Schule einen Vortrag mit dem Titel “Demokratie verteidigen – aber wie?” gehalten.
Nach der Rede soll Bentik S. ein Meme auf Instagram veröffentlicht haben, das den Offizier vor der Klasse mit einem Sprechballon zeigt, auf dem steht: “Also, Kinder, wer von euch möchte an der Ostfront sterben?”.
Weil ein Schüler eines Gymnasiums in Freiburg dieses Meme gepostet hat wurde er von der Bundeswehr angezeigt.
— BakuninsTraum (@BakuninsT) October 30, 2025
Die Bundeswehr hat in unseren Schulen nichts zu suchen. Die Jugend lässt sich nicht einschüchtern.
Volle Solidarität mit Bentik! ✊https://t.co/ZgQpRl7RIi pic.twitter.com/5gphOU8QQx
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums betonte, der Offizier habe Anzeige erstatten wollen, während die Bundeswehr selbst dagegen entschieden habe: “Die Vorgesetzten des betroffenen Mitarbeiters, die nach § 77a des Strafgesetzbuches für die Streitkräfte strafbar wären, haben dies in diesem Fall nicht getan.”
Berichten zufolge hat der Student zwei Versionen des Memes erstellt – einen Cartoon und ein normales Foto, auf dem der Beamte Berichten zufolge deutlich zu erkennen ist.
Einem Bericht des Nachrichtenportals Nius vom 1. November zufolge hatte die Schule damit gedroht, den Schüler von der Schule zu verweisen, nachdem er das Meme angeblich gepostet hatte.
Unterstützer haben eine Spendenaktion gestartet, um seine Anwaltskosten zu decken und bis heute mehr als 1.500 Euro gesammelt.
In einem Interview mit dem Magazin Stern sagte Bentik S.: “Ich bin schockiert, dass ich für diese Sache vor Gericht gezerrt werde. Die Situation ist unverhältnismäßig und absurd.”
Er sagte auch, er habe in der Vergangenheit gegen ähnliche Rekrutierungspraktiken der Bundeswehr protestiert, unter anderem gegen eine spontane Protestrede bei einem früheren Besuch eines Militärvertreters.
Er sagte, er habe auch versucht, einen Protest gegen die Präsentation im Februar zu organisieren, sei aber auf lauwarme Reaktionen von Kommilitonen gestoßen.
“Das Meme soll eindeutig darauf aufmerksam machen, dass es auch innerhalb der Bundeswehr faschistische Strukturen gibt”, sagte Bentik S.
Laut Stern ist der Student Mitglied der linken Gruppe Internationale Jugend.
Der deutsche Verfassungsschutz sieht in dieser Gruppe einen Teil einer linksextremistischen Organisation, die “darauf abzielt, eine neue kommunistische Partei zu gründen, um das kapitalistische Wirtschaftssystem zu beseitigen und den ‘bürgerlichen Staat’ zugunsten einer ‘Diktatur des Proletariats’ ‘zu ‘zerschlagen'”.
Die Bundeswehr hat in jüngster Zeit ihre Rekrutierungsbemühungen verstärkt, um den gravierenden Personalmangel zu überwinden.
Auch in Deutschland ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht geplant, die ursprünglich 2011 abgeschafft wurde.
High-school student indicted for posting meme mocking military officer – Brussels Signal
