
Während Großbritannien langsam die Folgen der jahrzehntelang nicht verhinderten Grooming-Skandale aufarbeitet, beschäftigen inzwischen auch deutsche Ermittlungsbehörden vergleichbare Vorwürfe.
Neue Ermittlungen in Nürnberg
Im Mittelpunkt steht derzeit Nürnberg. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelfranken befinden sich inzwischen sechs Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Die Ermittler werfen ihnen vor, gezielt Kontakt zu Mädchen und jungen Frauen gesucht zu haben.
Nach bisherigen Erkenntnissen sollen einige Opfer durch Drogen abhängig gemacht, anschließend sollen Betäubungsmittel gegen sexuelle Handlungen abgegeben worden sein. Gegen einzelne Beschuldigte bestehen darüber hinaus Vorwürfe wegen Drogendelikten und der Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige. Die Ermittlungen dauern an.
Verfahren in Köln
Parallel dazu ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln gegen drei Männer wegen des Verdachts des bandenmäßigen Menschenhandels.
Den Beschuldigten wird unter anderem vorgeworfen, eine damals 17-Jährige über Wochen zur Prostitution gezwungen und sexuelle Gewalt ausgeübt zu haben. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden befinden sich die Verdächtigen in Untersuchungshaft. Über eine mögliche Anklage oder Schuld ist bislang nicht entschieden.
Großbritannien als Ausgangspunkt der Debatte
Die aktuellen bundesdeutschen Ermittlungen fallen in eine Zeit, in der Großbritannien endlich über die sogenannten Grooming Gangs diskutiert.
Mehrere Untersuchungen beschäftigen sich dort mit organisiertem sexuellem Missbrauch weißer Minderjähriger durch ausländische Täter in verschiedenen Städten über viele Jahre hinweg. Dabei stehen insbesondere das Versagen staatlicher Stellen sowie der Umgang von Polizei, Jugendämtern und Politik mit den Hinweisen der Opfer im Mittelpunkt der öffentlichen Aufarbeitung, zumal diese aufgrund der ausländischen Herkunft der Täter schwiegen.
Diskussion über mediale Aufmerksamkeit
Neben den strafrechtlichen Ermittlungen ist inzwischen auch eine Debatte über die öffentliche Berichterstattung entstanden.
Ulf Poschardt vertritt in einem Meinungsbeitrag der großen bundesdeutschen Tageszeitung Die Welt die Auffassung, Fälle sexueller Gewalt würden deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, wenn die mutmaßlichen Täter einen Migrationshintergrund hätten. Wörtlich fragt der langjährige Chefredakteur der WELT-Gruppe:
Sind die Täter Migranten, dann sind die Opfer egal.