
Medienberichte decken ein System auf, bei dem türkische Asylsuchende in ihrer Heimat echte Strafverfahren erwerben, um in Deutschland politische Verfolgung vorzutäuschen. Die Dokumente stammen aus offiziellen Justizdatenbanken und sollen die Chancen auf Schutzstatus erhöhen.
Nach Recherchen der “Zeit” und Berichten der “Welt” kaufen manche türkische Staatsangehörige sich in der Heimat Strafverfahren, um Gründe für Asylgesuche im Ausland zu schaffen. Die Berichte zeigen, wie Schleuser und korrupte Beamte Lücken im Asylsystem ausnutzen.
Korrupte Staatsanwälte in der Türkei verdienen daran
Das geht dann so: Bestochene Staatsanwälte leiten Ermittlungen ein, die anschließend in der staatlichen Justizdatenbank Uyap gespeichert werden. Über das Bürgerportal “E-Devlet” können die Betroffenen die Einträge abrufen und vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vorzeigen.
Angeboten werden die Dienste über Soziale Medien. Ein Ermittlungsverfahren samt Hausdurchsuchung und Anklage kostet demnach etwa 800 Euro. Komplettpakete inklusive Schleusung nach Deutschland beginnen bei rund 6000 Euro.
Warum die Methode wirkt: Fälle lassen sich schwer nachprüfen
Formal sind die Verfahren echt. Denn sie sind von echten Staatsanwälten in das offizielle System eingespeist worden. Häufig stützen sie sich auf angebliche Beleidigungen des Präsidenten oder kritische Social-Media-Beiträge, die der Kunde selbst postet. Beweise werden in vielen Fällen kaum hinterlegt. Deutsche Verwaltungsgerichte und Gutachter haben solche “Scheinanklagen” bereits als Versuch erkannt, die Asylchancen künstlich zu verbessern.
Türken zählen seit Jahren zu den größten Gruppen von Asylbewerbern in Deutschland. Seit 2021 gingen rund 140.000 Anträge ein. Viele Anträge werden abgelehnt, weil die behauptete Verfolgung nicht glaubhaft erscheint. Das aufgedeckte System erschwert die Prüfung zusätzlich, da die Dokumente aus offiziellen Quellen stammen.





