
Die Evangelische Gemeinde Köln zieht Konsequenzen aus ihren eigenen Klimavorgaben. Sie gibt zwei ihrer fünf Kirchen als Gottesdienstorte auf und konzentriert die Feiern künftig auf drei zentrale Standorte. Mindestens eines der Gebäude soll abgerissen werden.
Die Gottesdienste finden künftig nur noch in der Antoniterkirche, der Christuskirche und der Kartäuserkirche statt. Die Lutherkirche in der Südstadt und die Thomaskirche im Agnesviertel verlieren ihren Status als regelmäßige Versammlungsorte. Die Gemeinde sieht darin eine notwendige Anpassung, um mit begrenzten Mitteln die verbleibenden Gebäude energetisch fit für die Zukunft zu machen.
Thomaskirche weicht neuen sozialen Nutzungen
Für die Thomaskirche ist der Abriss der Kirche und weiterer Gebäude vorgesehen. Die Kindertagesstätte bleibt erhalten. Auf dem Gelände sollen drei neue Häuser entstehen, die betreute Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, Mietwohnungen sowie Räume für die Verwaltung einer evangelischen Stiftung und für therapeutische und pädagogische Angebote bieten. So entsteht aus einem traditionellen Kirchenstandort ein gemischtes soziales Quartier, das den veränderten Bedürfnissen der Stadt gerecht werden soll.
Lutherkirche behält ihren Turm als einziges Wahrzeichen
Bei der Lutherkirche steht noch nicht fest, wie weit das Gebäudeensemble umgebaut oder teilweise zurückgebaut wird. Fest eingeplant ist lediglich der Erhalt des denkmalgeschützten Turms. Ein laufendes Auswahl- und Planungsverfahren soll bis zum Herbst klären, welche Nutzung für das restliche Grundstück sinnvoll ist. Die Entscheidung zeigt, wie Denkmalschutz und Klimaschutz in der Praxis miteinander in Einklang gebracht werden müssen.
Klimaneutralität ab 2035 als zentrale Vorgabe
Hinter den Plänen steht der Beschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland, alle kirchlichen Gebäude ab 2035 treibhausgasneutral zu betreiben. Das bedeutet, dass der Betrieb netto keine Treibhausgase mehr verursachen darf. Gemeinden müssen daher frühzeitig prüfen, welche Immobilien sie langfristig halten und energetisch ertüchtigen können und welche sie besser aufgeben. Die Kosten für den Umstieg auf erneuerbare Energien fließen dabei direkt in die Finanzplanung ein.
Von der Notwendigkeit zur Chance: Wie Kirchen ihre Immobilien neu denken
Die Entscheidung der Kölner Gemeinde ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines systematischen Umdenkens. Statt weiterhin viele Gebäude mit hohem Energiebedarf zu unterhalten, setzt die Kirche auf Konzentration und Umnutzung. Dadurch werden nicht nur CO2-Emissionen gesenkt, sondern auch Flächen für Wohnen, Betreuung und soziale Arbeit frei. Der Wandel zeigt, wie traditionelle Sakralbauten zu Bausteinen einer klimafreundlichen Stadtentwicklung werden können – ohne dass dabei der symbolische Wert einzelner Elemente wie der Turm der Lutherkirche verloren geht.