
Was Ungarn und Viktor Orbán angeht, so dürfte der mit Zwangsgebühren und Reklamegeldern gemästete ORF ziemlich nervös sein. Mutmaßlich dürfte es dem Staatssender darum gehen, dass bei unserem östlichen Nachbarn endlich ein EU-gesteuertes, wahrhaft wokes Marionetten-Regime an die Schalthebel der Macht kommt. Das ist dem Sender am 15. Februar eine langmächtige Spitzenmeldung in der „Zeit im Bild“ um 19:30 Uhr wert. Schlagzeile: Orban unter Druck. In Umfragen liege, so der ORF, der Premier deutlich hinter seinem Herausforderer Péter Magyar … Am Schluss wird da auch noch der Budapest-Korrespondent Paul Krisei bemüht. Der schildert die Magyar-Partei Tisza und deren Führer durchaus wohlwollend. Keine Rede von den Aussagen seiner ehemaligen Frau (Ex-Justizministerin Judith Varga), Péter Magyar habe sie körperlich misshandelt.
Ein bisserl skeptischer ist „Der Standard“. Das lachsfarbene Tagblatt räumt in der Druckausgabe vom 16. Februar ein: „US-Außenminister Marco Rubio hat sich vor der Parlamentswahl in Ungarn im April demonstrativ hinter Ministerpräsident Viktor Orbán gestellt. ‚Ich kann Ihnen mit Zuversicht sagen, dass Präsident Trump sich zutiefst für Ihren Erfolg einsetzt, denn Ihr Erfolg ist unser Erfolg‘, sagte Rubio am Montag während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Orbán in Budapest.“
Und weiter: „Der Ministerpräsident und der Präsident (Donald Trump) pflegen ein sehr, sehr enges persönliches Verhältnis und Arbeitsverhältnis“, führte Rubio aus.
Dann aber gerät „Der Standard“ in den Wunsch-Modus: „Am 12. April wählen die Menschen in Ungarn ein neues Parlament. Der seit 2010 regierende rechtsnationalistische Ministerpräsident Orbán steht unter Druck, da seine Fidesz-Partei in Umfragen derzeit hinter der oppositionellen TISZA-Partei von Petr (sic!) Magyar liegt.“
Na ja, so ganz richtig ist das nicht, wenn wir die renommierte (deutschsprachige) „Budapester Zeitung“ vom selben Tag zur Hand nehmen. Dort ist zu lesen: „… behauptet zumindest das regierungsnahe Nézőpont-Institut, das den Fidesz weiter mit 46 % in Führung sieht, mit deutlichem Vorsprung vor der Tisza (40 %). Im Moment würde einzig die Mi Hazánk als dritte Kraft die 5 %-Hürde meistern, die das Institut mit 7 % als sicheren Teilnehmer im nächsten Parlament betrachtet … Nézőpont betont, dass Fidesz-KDNP mit den Anfang Februar gemessenen Werten nahe an ihrem Abschneiden bei den Europawahlen 2024 liegen. Zudem hätten die Regierungsparteien noch ungefähr 200.000 bis 300.000 inaktive Sympathisanten in der Reserve, die es im Wahlkampf zu mobilisieren gelte. Bei der Tisza, die seit Monaten stagniere, zeige sich im Gegensatz zum Fidesz eine ‚Hyperaktivität‘ der Anhängerschaft. Diese lasse das Institut schlussfolgern, dass die Formation von Péter Magyar keine weiteren Reserven mehr erschließen könne. Obendrein halten die Wähler Viktor Orbán für den eher geeigneten Ministerpräsidenten (+11 Prozentpunkte) …“
Mag sein, dass ein der Regierung gewogenes Meinungsforschungsinstitut die Lage von Fidesz und Orbán ein wenig rosiger sieht. Aber ein Detail ist entscheidend: Schon jetzt liegt Viktor Orbán bei der Frage, wer der geeignetere Premier für Ungarn sei, mit elf Prozent vor Péter Magyar. Vielleicht sind es in Wahrheit derzeit bloß fünf Prozent. Doch mit jedem Tag zur Wahl hin werden immer mehr Magyaren erkennen, dass mit Orbán ein erfahrener, weltweit vernetzter Profi an der Spitze des Landes steht und auch in Zukunft stehen sollte. Magyar hingegen besitzt praktisch keinerlei außenpolitische Erfahrung, wenn man von seinem Mandat im EU-Parlament absieht. Er spielt also in derselben Liga wie etwa Lena Schilling von den Grünen.