Politischer Wechsel in Schwerin: Ex-CDU-Abgeordneter Thomas Diener tritt der AfD-Fraktion bei; tiefe Risse in der Union in Mecklenburg-Vorpommern

Screenshot YouTube/debattenlandtagmv

Wenige Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sorgt der Übertritt eines langjährigen CDU-Politikers für Aufsehen. Thomas Diener verlässt nicht nur seine Partei, sondern wechselt direkt zur AfD-Fraktion im Landtag.

Thomas Diener, bisher CDU-Abgeordneter im Schweriner Landtag, hat nach seinem Austritt aus der Fraktion Ende Mai nun auch die Partei verlassen. Der 62-jährige Landwirt und Kreistagspräsident der Mecklenburgischen Seenplatte kündigte an, künftig mit der AfD-Fraktion zusammenzuarbeiten. Die AfD-Fraktion hat ihn inzwischen einstimmig aufgenommen.

Tiefe politische Entfremdung

Diener begründet seinen Schritt mit einer tiefen politischen Entfremdung. Er kritisiert den fehlenden Kompass der CDU, der zu Wählerverlusten und Perspektivlosigkeit führe. Früher habe es ein starkes bürgerliches Lager gegeben, das heute verloren gehe.

Die CDU bewertet die Vorgänge anders. Aus Sicht der Partei steht der Wechsel in engem Zusammenhang mit der Aufstellung der Kandidatenliste für die anstehende Landtagswahl. Diener wurde demnach nicht auf einem aussichtsreichen Platz nominiert und verzichtete anschließend auch auf eine Direktkandidatur. Diener bleibt jedoch bei seiner Kritik am Kurs der Partei.

Brandmauer bröckelt

Die AfD selbst wertet den Wechsel als Beleg für das Scheitern dieser Abgrenzungsstrategie. Fraktionschef Enrico Schult sprach von einer “großen Bereicherung” und verwies auf inhaltliche Schnittmengen in der Landespolitik. Diener selbst hatte in der Vergangenheit bereits Kontakte zur AfD gepflegt, etwa als Gast bei einem Sommerfest der Fraktion.

In der CDU löst der Vorgang Besorgnis aus. Er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Partei in Mecklenburg-Vorpommern mit schwachen Umfragewerten kämpft, während immer mehr Wähler zur AfD überlaufen. Der Wechsel könnte weitere Diskussionen über die Haltung der CDU zur AfD anheizen, besonders in Ostdeutschland.

FREIE WELT

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *