Mehr Bürokratie für Arztpraxen, mehr Belastung für Patienten: Massive Kritik an neuer Krankschreibungsreform

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Die schwarz-rote Koalition will telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen abschaffen und eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag einführen. Ärzte, Patienten und Arbeitgeber warnen vor Überlastung und unnötigem Aufwand.

Als Teil des großen Reformpakets hat die Regierung heute strengere Regeln für Krankschreibungen angekündigt. Statt Bürokratieabbau droht nun eine zusätzliche Belastung für Praxen und Beschäftigte. Die Maßnahme soll den hohen Krankenstand in Unternehmen senken, stößt jedoch auf breite Ablehnung.

Ziel der Reform: Reduzierung von Fehlzeiten

Bundeskanzler Friedrich Merz und die Koalition begründen die Änderungen mit hohen Fehlzeiten, die deutsche Unternehmen benachteiligen. Künftig soll die telefonische Krankschreibung entfallen. Stattdessen müssen Beschäftigte bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Zudem sollen Falschausstellungen härter bestraft werden. Die Regierung erhofft sich dadurch mehr Disziplin und geringere Ausfälle am Arbeitsplatz.

Bisher war eine ärztliche Bescheinigung erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben, obwohl Arbeitgeber sie früher verlangen konnten. Die neue Pflicht soll Missbrauch eindämmen und den Wettbewerbsnachteil durch lange Krankheitszeiten verringern.

Scharfe Kritik aus den Praxen

Ärzteverbände reagieren mit deutlicher Ablehnung. Der Hausärzteverband spricht von einer “absoluten Katastrophe” und einem “Super-Gau” für die Praxen. Durch die Neuregelung drohen Millionen zusätzlicher Termine, vor allem bei Bagatellerkrankungen. Längere Wartezeiten für wirklich dringende Fälle seien die Folge. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt die Pläne eine “Zumutung” und warnt vor weiterer Überlastung des Systems.

Auch Kinder- und Jugendärzte sowie weitere Vertreter der Ärzteschaft kritisieren die Reform. Sie widerspreche dem Ziel, Hausarztpraxen zu stärken, und schaffe unnötige Bürokratie statt Entlastung.

Belastung für Patienten und Arbeitgeber

Patienten fürchten längere Wege und Wartezeiten, besonders bei kurzen Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Viele sehen die Regelung als Misstrauensvotum gegenüber Arbeitnehmern. Arbeitgeberverbände zeigen sich hingegen teilweise zufrieden, da sie eine Senkung der Fehlzeiten erwarten. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich der praktischen Umsetzung und möglicher Konflikte am Arbeitsplatz.

Experten warnen, dass die Reform das Gegenteil von Bürokratieabbau bewirkt und die hausärztliche Versorgung weiter unter Druck setzt. Ob die Pläne in der jetzigen Form umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

FREIE WELT

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