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Italien setzt bei Millionen Autofahrern den Rotstift an – und Österreich blickt über die Grenze. Die Regierung von Giorgia Meloni will die Kfz-Steuer 2027 für Pkw bis 80 Kilowatt sowie für Motorräder und Motorroller aussetzen. Nach Angaben der italienischen Regierung sind rund 14,5 Millionen Fahrzeuge betroffen.
Italien reagiert auf hohe Spritpreise
Der Beschluss der italienischen Regierung kommt vor dem Hintergrund gestiegener Kraftstoffpreise. Für das Jahr 2027 soll die sogenannte „bollo auto“ bei einem Fahrzeug pro Person entfallen. Bei Pkw gilt die Regelung bis zu einer Leistung von 80 Kilowatt, Motorräder sind unabhängig von ihrer Leistung umfasst. Für Zweit- und Drittwagen gibt es die Befreiung nicht.
Damit wird eine Abgabe für einen großen Teil der italienischen Autofahrer zumindest vorübergehend ausgesetzt. Das italienische Verkehrsministerium beziffert die potenziell begünstigte Gruppe sogar mit rund 24,6 Millionen Personen, die zumindest ein Fahrzeug bis 80 Kilowatt besitzen; insgesamt gibt es in Italien mehr als 34 Millionen Fahrzeuge bis zu dieser Leistungsgrenze.
Kolm fordert Entlastung auch in Österreich
FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm bezeichnet den italienischen Schritt als Beispiel dafür, dass angesichts hoher Belastungen auch eine zeitlich begrenzte Steuerentlastung möglich sei. Österreich solle daher ebenfalls über eine Aussetzung der motorbezogenen Versicherungssteuer nachdenken.
Die österreichische Abgabe bringt dem Bund erhebliche Einnahmen. Im Bundesbudget 2026 sind dafür 2,95 Milliarden Euro veranschlagt; 2025 waren es 2,875 Milliarden Euro.
Österreich kassiert nach Kilowatt und CO₂
Die motorbezogene Versicherungssteuer wird in Österreich über die Kfz-Haftpflichtversicherung eingehoben. Bei Fahrzeugen mit Erstzulassung ab Oktober 2020 richtet sich die Berechnung unter anderem nach der Motorleistung und – abhängig vom Antrieb – nach den CO₂-Emissionen. Die Steuer fällt für jeden Monat an, in dem der Versicherungsvertrag besteht.
Kolm kritisiert insbesondere, dass die Abgabe nicht unmittelbar von der tatsächlich gefahrenen Kilometerleistung abhängt. Sie argumentiert deshalb, dass Autofahrer bereits über andere Abgaben auf den Fahrzeugkauf und den Kraftstoff belastet würden und eine zusätzliche Entlastung bei der motorbezogenen Versicherungssteuer angebracht wäre.
Milliardenschwere Maßnahme in Italien
Ganz ohne Kosten bleibt der italienische Schritt allerdings nicht. Die Kfz-Steuer fließt grundsätzlich den Regionen zu. Für 2027 sind deshalb staatliche Ausgleichszahlungen vorgesehen. Der ORF berichtet von rund 2,3 Milliarden Euro, die an die Regionen überwiesen werden sollen.
Ob die italienische Regelung tatsächlich dauerhaft bestehen bleibt, ist ebenfalls offen. Beschlossen ist zunächst die Befreiung für 2027. Italiens Verkehrsministerium erklärt allerdings, die Regierung wolle die Maßnahme mit dem nächsten Haushaltsgesetz strukturell verankern.
FPÖ sieht Österreich unter Zugzwang
Kolms Botschaft an die Bundesregierung ist damit klar: Angesichts hoher Mobilitätskosten müsse auch in Österreich über eine Entlastung der Autofahrer gesprochen werden. Die FPÖ-Wirtschaftssprecherin verweist dabei ausdrücklich auf das italienische Modell und fordert, eine zeitweise Aussetzung der motorbezogenen Versicherungssteuer zu prüfen.