Gegen den Zeitgeist – Warum ausgerechnet die Generation Z zur Religion zurückkehrt

Sie gelten als digital, divers, dekonstruiert – doch immer mehr junge Menschen kehren der Beliebigkeit den Rücken und entdecken ausgerechnet die Religion neu. Besonders unter jungen Männern erlebt der Glaube ein bemerkenswertes Revival. Zwischen Eucharistie, Internet und Identitätssuche entsteht ein neues spirituelles Fundament für eine ganze Generation.

Was lange als erledigt galt, kehrt mit Macht zurück: der Glaube. Ausgerechnet jene Generation, die man als besonders progressiv, postmodern und gottfern einstufte – die Generation Z, die zwischen 1995 und 2010 Geborenen – entdeckt Religion neu. Und zwar nicht als spirituelle Lifestyle-Variante, sondern in ihrer tradierten, sakralen Form: mit Dogmen, Disziplin und Transzendenz.

Laut der Nachrichtenseite Axios besuchen Mitglieder der Generation Z häufiger wöchentliche Gottesdienste als Millennials (zwischen Anfang der 1980er und Mitte der 1990er Jahre geboren) oder junge Angehörige der Generation X (zwischen 1965 und 1980 geboren). In den USA hat sich der Kirchenbesuch bei der Generation Z vervierfacht. In Großbritannien stieg die monatliche Teilnahme junger Erwachsener an Gottesdiensten von vier Prozent (2018) auf 16 Prozent (2025). Frankreich verzeichnete 2025 über 10.000 katholische Taufen bei Erwachsenen, ein Zuwachs von 90 Prozent gegenüber 2023.

Auch in den Niederlanden, einst Paradebeispiel für Säkularisierung, mehren sich laut Kardinal Willem Eijk die Rückmeldungen von Priestern über vermehrte junge Gottesdienstbesucher – ebenso die Zahl der Priesteramtsbewerber.

Was also zieht junge Menschen in Scharen zur Religion – insbesondere zum Katholizismus?

Für viele ist es eine Reaktion auf den kulturellen und moralischen Verfall der Gegenwart.  Die Influencerin Isabel Brown bringt es auf den Punkt: „Die Zerstörung der Ehe, das Normalisieren von Kinder-Transitionsoperationen, millionenfache Abtreibungen – inmitten dieser Dunkelheit laufen junge Menschen zurück zu Gott.“

In einer Welt, in der alles beliebig geworden ist – von Geschlecht über Identität bis hin zur Wahrheit selbst – bietet Religion für viele Halt, Orientierung und eine klare Alternative zur kulturellen Fragmentierung.

Besonders der Katholizismus fasziniert viele junge Menschen – gerade wegen seiner Unverrückbarkeit. Brown erklärt: „Es ist das echte Erleben des Transzendenten, das in der Eucharistie spürbar wird – das zieht junge Menschen an.“ Die jahrhundertealten Riten, die Unbeirrbarkeit in moralischen Fragen, die klare Sprache – all das ist für eine Generation, die sich nach Authentizität sehnt, attraktiver als die weichgespülte Wohlfühlpädagogik mancher liberaler Kirchen.

Ironischerweise ist es oft das Internet – lange als Quelle von Entfremdung, Narzissmus und Nihilismus kritisiert – das vielen jungen Gläubigen den Weg zum Glauben ebnete. Kardinal Eijk erklärt: „Viele junge Konvertiten haben ihren Weg zur Kirche über das Internet und katholische Influencer gefunden.“

Auch die Soziologieprofessorin Anne Hendershott verweist auf das Phänomen der „neuen Evangelisation“, wie sie bereits Papst Johannes Paul II. in den 1980er Jahren gefordert hatte – heute verwirklicht durch Instagram, YouTube und Podcasts.

Psychologisch untermauert wird dieser Trend durch Viktor Frankls berühmte Lehre vom „Willen zum Sinn“. Nicht Macht oder Lust motivieren den Menschen, sondern das Streben nach Bedeutung. In einer Welt, die alles entwertet, wird der Wunsch nach Wahrheit, Gemeinschaft und spiritueller Tiefe zum stillen Schrei einer ganzen Generation.

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