
Die deutsche Bundesregierung hatte im Sommer verkündet, den Familiennachzug auszusetzen. Der politische Eindruck war eindeutig: weniger Zuzug, mehr Kontrolle, ein Kurswechsel. Die Realität fällt deutlich nüchterner aus. Wie Zahlen des Auswärtigen Amts zeigen, wurden im laufenden Jahr rund 105.000 Visa zum Zwecke des Familiennachzugs erteilt, und zwar ausschließlich an subsidiär Schutzberechtigte und selbst dort nur befristet. Am Gesamtvolumen ändert das wenig. Im Vorjahr lag der Familiennachzug bei 123.675 Personen. Von einer Trendwende kann keine Rede sein.
Der Großteil der Nachgezogenen stammt aus Syrien, der Türkei, Indien, dem Kosovo, Albanien und dem Iran. Die formalen Voraussetzungen – Aufenthaltstitel, Wohnraum, gesicherter Lebensunterhalt – wirken auf dem Papier streng, haben aber in der Praxis keine dämpfende Wirkung entfaltet. Seit 2020 sind über das Visa-System rund 657.000 Menschen nach Deutschland eingereist. Der Familiennachzug bleibt damit ein zentraler, politisch kaum kontrollierter Migrationskanal.
Parallel dazu setzt Schwarz-Rot ein weiteres Signal. Diese Woche landete erneut ein Charterflug mit 160 Afghanen in Berlin, organisiert vom Bundesinnenministerium. 154 von ihnen reisten über das Bundesaufnahmeprogramm ein, sechs als ehemalige Ortskraft mit Familie. Weitere 541 Afghanen sollen noch aus Pakistan ausgeflogen werden, wie Außenminister Wadephul ankündigte. Zwar sollen die Programme bis Jahresende auslaufen und es seien keine neuen geplant, doch bis dahin wird geliefert, was zugesagt wurde – unabhängig von der innenpolitischen Lage.
Besonders bemerkenswert ist die Logik hinter den Programmen. Wer trotz Zusage auf die Einreise verzichtet, erhält bis zu 12.500 Euro für die Rückkehr nach Afghanistan. Gleichzeitig kündigen kirchliche und nichtstaatliche Organisationen an, Klagen abgelehnter Bewerber zu finanzieren. Der Staat zahlt, NGOs klagen, und die politische Steuerung verdampft im Zusammenspiel aus Moralrhetorik und Verwaltungsroutine.
Die Koalition verkauft punktuelle Einschränkungen als Kurswechsel, während die Zahlen Stabilität auf hohem Niveau zeigen. Familiennachzug, Aufnahmeprogramme und Ausnahmeregelungen greifen ineinander wie Zahnräder eines Systems, das sich selbst am Laufen hält. Begrenzung bleibt Ankündigung, Einreise die Konstante.
Einreise trotz Ankündigung: Schwarz-Rot öffnet die Hintertür weiter – Zur Zeit