
Mit gutem Zureden gelang es Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, seine CDU 2021 noch einmal vor der AfD zur stärksten Partei zu machen. Damals war die CDU auf 37,1 Prozent der Stimmen gekommen und die AfD auf 20,8 Prozent. Bei der Bundestagswahl im Februar hatte die AfD mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen im Land die CDU deutlich hinter sich gelassen. Die Christdemokraten waren auf 19,2 Prozent gekommen.
Haseloff versuchte es in der Vergangenheit mit Schmeicheleien und Drohungen. Falls die AfD regieren sollte, kündigte er an auswandern zu wollen. Gegen den AfD-Spitzenkandidaten pöbelte Haseloff unlängst: „Dies ist mein Heimatland, das werden Sie nicht verhunzen und verstümmeln!“ Natürlich hätte Haseloff sich auch bei der nächsten Landtagswahl am 6. September 2026 gern als Retter und Sieger feiern lassen. Aber er scheint selbst zu der Einsicht gekommen zu sein, dass das nichts wird.
Sein früherer Stellvertreter und Innenminister Holger Stahlknecht hatte versucht diese Situation zu entschärfen und wollte statt einer Koalition mit linken Parteien lieber eine CDU-Minderheitenregierung unter Duldung der AfD anstreben. Kaum waren die ersten Überlegungen Stahlknechts in der Presse zu lesen, trat Haseloffs „Scherbengericht“ zusammen und Stahlknecht wurde ins politische Abseits katapultiert. Statt aber mit Anstand die Suppe auszulöffeln, die er Sachsen-Anhalt eingebrockt hatte, ergreift er jetzt ein gutes Jahr vor der Wahl die Flucht und überlässt es einem früheren EU-Abgeordneten, die erwartbare Niederlage der CDU zu verantworten.
Seine politische Wegzehrung an seinen Nachfolger Sven Schulze: „Es gilt, diesen Kampf jetzt zu führen.“ Das hört sich fast wie die Frage Adolf Hitlers im Film „Der Untergang“ an: Wo steht die Armee Wenck? Haseloff hätte es in der Hand gehabt, die AfD einzuhegen, mit ihr zu regieren und seiner Partei das Amt des Ministerpräsidenten zu erhalten. FDP und Grüne dürften nach den Umfragen aus dem Landtag fliegen. Sollte die AfD nicht die Mehrheit der Mandate erreichen, müsste Schulze mit den SED-Nachfolgern, dem Bündnis Wagenknecht und den Sozen etwas zusammenbasteln. Es sei denn, die Wagenknechtler machen da nicht mit. Immerhin hat sich Haseloff ein Prädikat erworben. Er ist der (politische) Deserteur des Tages und was aus seiner Partei wird ist ihm offenbar „wurscht“.
CDU-Mann Haseloff stiehlt sich aus der Verantwortung – Zur Zeit