Ein politisches Beben geht durch Deutschland: Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage liegt die AfD erstmals vor der Union – mit 27 Prozent der Stimmen. Noch nie zuvor konnte die Partei bei einem renommierten Institut derartige Werte erzielen. Gleichzeitig zeigt ein Wahlresultat aus Nordrhein-Westfalen, dass sich selbst unter Migranten zunehmend Unterstützung für die AfD formiert. In Paderborn wählten Ausländer und eingebürgerte Deutsche die Partei mit 24,5 Prozent an die Spitze des Integrationsrats.
Das britische Institut YouGov hat zwischen 12. und 15. September 1.649 Wahlberechtigte befragt. Ergebnis: Die AfD liegt mit 27 % vor CDU/CSU (26 %) – ein historischer Moment, der bei anderen Instituten so bislang nicht gemessen wurde. Die SPD kommt auf 15 %, die Grünen verlieren weiter und fallen auf 11 % und Linke (9 %). Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) käme auf 5 % und wäre damit knapp vertreten, um Gegensatz zur FDP, die auf vier Prozent käme.
Parallel zur bundesweiten Umfrage sorgt ein lokales Wahlergebnis für Aufsehen: Bei der Wahl zum Integrationsrat in Paderborn – wahlberechtigt sind ausschließlich Ausländer und eingebürgerte Deutsche ab 16 – erreichte die AfD 24,5 Prozent. Damit ließ sie alle anderen Listen deutlich hinter sich. Auf Platz zwei landete die Deutsch-Russische Gesellschaft mit 15,5 Prozent, gefolgt von der Liste Deutsch-Türkische Freundschaft (13,0 %). Der bisherige Vorsitzende des Gremiums, Recep Alpan, zeigte sich entsetzt – hatte die AfD den Integrationsrat doch im Wahlkampf als überflüssig bezeichnet.
Während bundesweit die Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik wächst, ist die Wahlbeteiligung in Paderborn noch ausbaufähig: Nur 20,2 % der 44.563 Wahlberechtigten machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch – immerhin mehr als bei der letzten Wahl (15,7 %). 2019 erhielt die AfD noch 7,8 % und ein Mandat – nun stellt sie vier freigewählte Mitglieder im 22-köpfigen Gremium.
Die Ergebnisse machen deutlich: Die politische Stimmung in Deutschland verändert sich rapide – nicht nur in klassischen AfD-Hochburgen, sondern zunehmend auch in Milieus, die man bislang nicht mit der Partei in Verbindung brachte.
