
Foto: Bryan Berlin / wikimediacommons.org (CC BY-SA 4.0)
Frankreich ist im WM-Halbfinale gegen Spanien gescheitert. Kaum war das Aus besiegelt, entlud sich im Netz eine Welle antiweißer Hetze – und sie richtete sich nicht gegen die Mannschaft als Ganzes, sondern gezielt gegen Lucas Digne. Der 32-jährige Linksverteidiger wurde zum Sündenbock erklärt, weil er weiß ist.
Offen antiweiße Hetze gegen die ganze Familie
Kaum hatte der Schlusspfiff ertönt, brach im Netz der nächste Sturm los. Nicht nur sportliche Kritik prasselte auf den erfahrenen Abwehrspieler ein. Nutzer auf Social-Media-Plattformen zielten direkt auf seine Hautfarbe. „Du bist der einzige Weiße in dieser Mannschaft, und deinetwegen verlieren wir“, schrieben einige. Andere hetzten „Scheiß-Weißer“ oder forderten schlicht „Entfernt diesen Weißen“ aus der französischen Elf. Ehefrau Tiziri Digne sah sich ebenfalls massiven Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt. Sie reagierte mit einem Foto von sich und einem weinenden Kind und ließ wissen, das Bild spreche für sich – bei aller Enttäuschung bleibe der Stolz auf den Weg der Mannschaft.
Der fatale Moment im Strafraum
Der Fehler eines Einzelnen entschied das Spiel. Digne, bis dahin einer der stabileren Verteidiger, verfehlte den Ball und erwischte stattdessen den heranstürmenden Lamine Yamal. Die Verzweiflung stand ihm im Gesicht geschrieben, als der Pfiff ertönte. Wenig später wurde er ausgewechselt. Theo Hernández kam für ihn. Spanien dominierte danach weitgehend und zog verdient ins Finale ein. Für Digne begann der private Albtraum erst nach dem Abpfiff.
Hasswelle gegen den Weißen – und die Doppelmoral
Le Journal du Dimanche sammelte diskriminierende Kommentare gegen Digne. Die Hetze richtete sich nicht nur gegen den sportlichen Fehler. Sie richtete sich gegen die weiße Hautfarbe des Spielers in einer Mannschaft, die in der Vergangenheit immer wieder wegen ihrer Zusammensetzung diskutiert wurde. Während frühere Fälle – etwa Aussagen einer paraguayischen Senatorin zu Kylian Mbappé – sofort massive Reaktionen auslösten, blieb es diesmal auffallend ruhig bei vielen, die sonst bei jedem Verdacht auf Rassismus die Trommel rühren.
Doppelmoral binnen einer Woche
Erinnerung an einen frischen Vorfall: Der ehemalige spanische Regierungschef Mariano Rajoy hatte in einem Artikel für El Debate geschrieben, Frankreich verfüge über einen Kader auf höchstem Niveau – „allerdings ohne französische Spieler“. Prompt brandmarkte der Präsident des französischen Fußballverbands, Philippe Diallo, das als „unerträglichen Rassismus“. Innenminister Laurent Nuñez nannte es „absolut inakzeptabel“. Die französische Botschaft in Madrid stellte klar: Alle 26 Spieler der Nationalmannschaft seien Franzosen.
Französischer Rechtspolitiker bricht das Schweigen
Der Abgeordnete des RN (Rassemblement National) Julien Odoul kritisierte das weitgehende Schweigen linker Politiker und „antirassistischer” Organisationen angesichts der Attacken auf Digne. Während jede sachliche Debatte über die Zusammensetzung der Elf früher als Angriff auf die Diversität galt, werde nun anti-weißer Hass toleriert oder ignoriert. Das wirft ein grelles Licht auf die einseitige Definition von Rassismus in Teilen der französischen Öffentlichkeit.