
Ein gescheiterter Delegiertenantrag auf einem AfD-Landesparteitag in Sachsen-Anhalt sorgt Wochen später für politische Debatten in Thüringen. Obwohl der Vorstoß nie beschlossen wurde und somit keine Position der Partei darstellt, reagierte die Brombeerkoalition aus CDU, BSW und SPD mit einem eigenen Landtagsantrag zum Schutz christlicher Feiertage.
Ausgangspunkt der Diskussion war ein von Michael Kremer aus dem Kreisverband Magdeburg eingebrachter Delegiertenantrag auf dem AfD-Landesparteitag in Sachsen-Anhalt. Unter der Überschrift „Religion ist Privatsache – Trennung Kirche & Staat – Kultur & Brauchtum fördern!“ wurde darin gefordert, traditionelle Brauchtumsfeste stärker zu berücksichtigen. In dem Antrag wurden unter anderem das „Frühlings-/Ostara-Fest“, das „Sonnenwend-/Mittsommerfest“, die „Herbst Tag- und Nachtgleiche“ sowie das „Weihnachts-/Julfest inklusive der Wintersonnenwende“ genannt.
Der Vorschlag sah vor, für die Sommer- und Wintersonnenwende jeweils einen gesetzlichen Feiertag einzuführen. Um zusätzliche wirtschaftliche Belastungen zu vermeiden, sollten dafür zwei christliche Feiertage entfallen. Welche Feiertage konkret gemeint waren, ließ der Antrag offen. Auf dem Parteitag fand der Vorstoß jedoch keine Mehrheit und wurde von den Delegierten abgelehnt.
Der Vorstoß begründete sich nicht nur mit Brauchtumspflege, sondern griff auch grundsätzliche Fragen zum Verhältnis der Partei zum Christentum auf. So berief sich der Antrag unter anderem auf den AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland, der mit folgenden Worten aus dem Jahr 2016 zitiert wird: „Wir sind keine christliche Partei. Wir sind eine deutsche Partei, die sich bemüht, deutsche Interessen wahrzunehmen.“ In dem Delegiertenantrag hieß es zugleich, jeder AfD-Vertreter würde sich „schwer tun, eine Unterstützung des Christentums trotz des inhaltlichen Gegensatzes zwischen Christentum und AFD zu erklären“. Als Beispiele für diesen behaupteten Gegensatz werden „Feindesliebe“, „andere-Wange-hinhalten“ und „alle Menschen sind gleich“ genannt.
Dennoch wurde das Thema anschließend auch in Thüringen politisch aufgegriffen. Begleitend zum Landtagsantrag ließ die CDU-Fraktion auch eine Insa-Umfrage durchführen. Den Ergebnissen zufolge lehnt eine Mehrheit der Thüringer den Austausch christlicher Feiertage gegen Sommer- und Wintersonnenwende ab. 30 Prozent bewerten ein solches Vorhaben als „sehr schlecht“ und 18 Prozent als „eher schlecht“. 23 Prozent gaben an, eine solche Änderung wäre ihnen gleichgültig, während 17 Prozent sie befürworten würden.
Der Thüringer AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Haseloff kritisierte sowohl die mediale Berichterstattung als auch die Reaktion der Landesregierung. Auf X schrieb er: „Wenn man wissen will, wie blank das polit-mediale Establishment in Thüringen mittlerweile ist, muss man diesen Artikel lesen“. Die AfD habe nie gefordert, christliche Feiertage zu ersetzen. Es habe lediglich einen Antrag gegeben, der auf einem Parteitag außerhalb Thüringens mehrheitlich abgelehnt worden sei. „Daraus eine Schlagzeile zu machen, zeigt, wie Framing funktioniert“, so Haseloff. „Dass die Brombeerkoalition dazu sogar eine Umfrage in Auftrag gibt, zeigt auch, wie inhaltlich leer diese Koalition mittlerweile ist“, erklärt er weiter. Sie führe Scheindebatten und arbeite sich an der AfD ab – „notfalls sogar mit Forderungen, die unsere Partei nie erhoben hat“.
Wenn man wissen will, wie blank das polit-mediale Establishment in Thüringen mittlerweile ist, muss man diesen Artikel lesen.
— Daniel Haseloff (@DanielHaseloff) July 16, 2026
Die AfD hat nie gefordert, christliche Feiertage zu ersetzen. Es gab lediglich einen Antrag, der auf einem Parteitag außerhalb Thüringens mehrheitlich… pic.twitter.com/egT94Pinf1