
Derzeit wird in Wien das Denkmal von Karl Lueger umgestaltet und „kontextualisiert“. Der Gründer der Christlichsozialen Partei war nicht nur von 1897 bis zu seinem Tod im Jahr 1910 Bürgermeister, sondern auch – dem damaligen Zeitgeist entsprechend – ein Antisemit. Kein Problem hat die Stadt Wien offenkundig mit der Huldigung kommunistischer Massenmörder. Denn am Haus Schönbrunner Schloßstraße 30 im 12. Gemeindebezirk ist nach wie vor eine Gedenktafel für den sowjetischen Diktator Josef Stalin angebracht.
Und diese Gedenktafel wird wohl noch eine Weile dort bleiben, weil der Wiener Gemeinderat einen FPÖ-Antrag zur Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses betreffend die Entfernung abgelehnt hat. Auf der Tafel ist das Konterfei Stalins angebracht und der Hinweis zu lesen, dass in diesem Haus im Jänner 1913 der spätere KP-Diktator wohnte und das „bedeutende Werk ‚Marxismus und nationale Frage‘“ schrieb. Die Tafel wurde 1949, zu anlässlich Stalins 70. Geburtstag, angebracht und 2012 eine kleinere Zusatztafel, die auf die Millionen Opfer des kommunistischen Massenmörders erinnert.
Die Stalin-Tafel fällt übrigens nicht unter Artikel 19 des Staatsvertrags von Wien. Diese Bestimmung verpflichtet Österreich unter anderem zur Erhaltung von Gedenksteinen und Denkmälern der Alliierten Mächte des Zweiten Weltkriegs. Umso unverständlicher ist es daher, dass die Stadt Wien den Gemeinderatsbeschluss zur Entfernung der Stalin-Tafel nicht umsetzt.
Lukas Brucker, Kultursprecher der Wiener Freiheitlichen, kritisiert diesbezüglich den „politischen Stillstand auf Kosten der historischen Verantwortung“ und stellt unmissverständlich klar: „Josef Stalin war verantwortlich für systematische politische Morde, Massendeportationen, Zwangskollektivierungen und Hungersnöte, denen Schätzungen zufolge bis zu 60 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Dass in Wien – als einziger westeuropäischer Stadt – eine Gedenktafel existiert, die den Aufenthalt dieses Diktators hervorhebt, ist aus demokratiepolitischer und moralischer Sicht untragbar.“
Stalin-Gedenktafel in Meidling – Die Schande von Wien – Zur Zeit