Die Berliner Stadtverwaltung hat grünes Licht für die seit langem geplante Umbenennung der markanten Mohrenstraße erhalten.
Am 9. Juli wies das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg alle Berufungen zurück und entschied, dass die Regierung das Recht hat, die Straße umzubenennen.
Das Urteil beendete eine fünfjährige Debatte, die im August 2020 begonnen hatte, als die von den Grünen dominierte Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte beschloss, der Mohrenstraße einen neuen Namen zu geben. Damit reagierte sie auf die Behauptung von Aktivisten, die derzeitige Bezeichnung sei „diskriminierend und schädlich für den Ruf Berlins“.
„Mohr“ ist ein veraltetes deutsches Wort für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Es leitet sich von dem spanischen Begriff für die Mauren Nordafrikas ab. Das Wort wird in der deutschen Sprache nicht mehr verwendet, außer in einem historischen Kontext.
Es wird im Allgemeinen als weniger abwertend angesehen als das Wort „Neger“ – eine andere Bezeichnung für Menschen mit Hautfarbe, die bis in die 1990er Jahre im Deutschen weit verbreitet war.
Die Änderung des Straßennamens war und ist bei den Berlinern unpopulär. Mehr als 1.000 Menschen hatten versucht, die Entscheidung der Verwaltung anzufechten, wurden aber durch Verwaltungsgebühren von bis zu 741,37 Euro für die Einreichung ihres Antrags abgeschreckt, wie die Berliner Zeitung am 9. Juli berichtete.
Der Lokaljournalist Stefan Peter nannte die Entscheidung des Gerichts „einen Sieg des politischen Bildersturms“.
Die Mohrenstraße erhielt ihren Namen im frühen 18. Jahrhundert, wahrscheinlich 1706 oder 1707. Die genaue Herkunft des Namens war unklar. Einige Historiker meinten, sie sei nach einer Gruppe farbiger Diener im Dienste des damaligen preußischen Königs benannt worden.
Andere vermuten, dass sie zu Ehren einer afrikanischen Delegation benannt wurde, die zu jener Zeit Berlin besuchte.
Heute ist die Mohrenstraße eine 900 Meter lange Straße, die von hohen Gebäuden flankiert wird, darunter das Bundesgesundheits- und das Justizministerium, das Berlin Hilton und die chilenische Botschaft.
All diese Einrichtungen sowie Hunderte von Unternehmen und Privatpersonen werden nun ihre Adresse ändern.
Die Straße wird in Zukunft Anton-Wilhelm-Amo-Straße heißen, zu Ehren von Anton Wilhelm Amo, der 1703 in Ghana geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam, wo er Philosoph und „der erste afrodeutsche Gelehrte“ wurde.
Der U-Bahnhof Mohrenstraße wird künftig auch Anton-Wilhelm-Amo-Straße heißen, teilte die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG mit.
Für 2020 hatte die BVG geplant, ihn nach der nahe gelegenen Glinkastraße zu benennen – bis sich herausstellte, dass der Namensgeber der Straße, der russische Komponist Mihail Glinka (1804 – 1857), ein Antisemit gewesen sein könnte.
