
Mitten im Berliner Tiergarten haben Unbekannte zwei Skulpturen mit antisemitischen Parolen beschmiert. Die Botschaften richten sich ausdrücklich gegen Juden. Der Staatsschutz ermittelt, während die Zahl judenfeindlicher Vorfälle in der Hauptstadt seit Jahren erschreckend hoch bleibt.
Mitten im Großen Tiergarten in Berlin haben Unbekannte zwei öffentliche Skulpturen mit offen antisemitischen Parolen beschmiert. Auf den Sockeln eines Bären und eines Stiers (Foto) nahe dem Venus-Bassin standen in roter Farbe die Sätze „Traut keinem Juden“ und „Der Jude mordet“. Es handelt sich um judenfeindliche Hetze, die Menschen allein aufgrund ihrer jüdischen Zugehörigkeit pauschal als unglaubwürdig und gefährlich darstellt.
Entdeckt wurden die Schmierereien am Dienstagmorgen, dem 3. November 2026. Passanten bemerkten die Schriftzüge und verständigten die Polizei. Nach bisherigen Erkenntnissen waren die Parolen im Laufe des Montags oder in der darauffolgenden Nacht angebracht worden. Die eingesetzten Polizeibeamten machten die Schriftzüge zunächst unkenntlich. Eine professionelle Reinigung der betroffenen Kunstwerke wurde veranlasst.
Die Berliner Polizei veröffentlichte am Mittwoch unter der Vorgangsnummer 1463 eine entsprechende Mitteilung. Darin bezeichnet sie die Schmierereien ausdrücklich als volksverhetzend. Die weiteren Ermittlungen hat der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernommen. Angaben zu Tatverdächtigen oder möglichen Hintergründen liegen bislang nicht vor.
Besonders erschreckend ist die Unverblümtheit der beiden Parolen. Hier wird nicht unter dem Vorwand einer Kritik an der israelischen Regierung argumentiert. Es geht auch nicht um eine politische Auseinandersetzung über den Krieg im Nahen Osten. Die Botschaften richten sich unmittelbar gegen Juden als Menschen.
Der Satz „Traut keinem Juden“ bedient das jahrhundertealte antisemitische Vorurteil, Juden seien grundsätzlich hinterlistig und nicht vertrauenswürdig. Die Behauptung „Der Jude mordet“ greift ebenfalls auf ein bekanntes Muster judenfeindlicher Propaganda zurück: Jüdischen Menschen wird kollektiv eine besondere Neigung zu Gewalt und Verbrechen zugeschrieben.
Solche Formulierungen erinnern an die Sprache antisemitischer Hetze, wie sie auch während der nationalsozialistischen Herrschaft verbreitet wurde. Dass sie im Jahr 2026 wieder öffentlich in der deutschen Hauptstadt auftauchen, ist mehr als eine gewöhnliche Sachbeschädigung.
Der Vorfall im Tiergarten steht in einem größeren Zusammenhang. Nach dem im Mai 2026 veröffentlichten Jahresbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) wurden im Jahr 2025 insgesamt 2.197 antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt dokumentiert. Das entspricht durchschnittlich etwa sechs Vorfällen täglich.