
Während Amerika mit seiner eigenen dunklen Vergangenheit der Sklaverei ringt, wird ein gewaltiges Kapitel der Geschichte von Akademikern begraben, die sich auf die Schuld des Westens fixieren.
Justin Marozzis aufschlussreiches Buch „ Captives and Companions“ beleuchtet den Sklavenhandel in der islamischen Welt, der sich über ein Jahrtausend erstreckte und beispielloses Ausmaß und Grausamkeit an den Tag legte. Das ist keine alte Nachricht, aber ein Weckruf für Historiker.
Marozzi schätzt, dass zwischen dem 7. und 20. Jahrhundert bis zu 17 Millionen Afrikaner und Europäer in muslimischen Ländern versklavt wurden, was die Zahl von 11 bis 15 Millionen im transatlantischen Handel weit in den Schatten stellt.
Bei brutalen Razzien wurden Schwarzafrikaner als Arbeitskräfte und weiße Europäer als Absatzmärkte in Nordafrika und dem Nahen Osten gesucht. Allein die Zahlen offenbaren ein System, das mehr Tod und Elend verursachte, als oft zugegeben wird.
An den opulenten Höfen des abbasidischen Bagdad erlangten Sklavinnen wie der Dichter ʿInān Berühmtheit, indem sie mit Witz und Schönheit glänzten und dabei tödliche Risiken meisterten.
Diese Frauen, oft aus fernen Ländern gefangen, wurden zu kulturellen Ikonen, blieben aber Eigentum, ihr Leben hing von der Laune eines Herrschers ab. Doch ihre Geschichten vermischen Triumph und Tragödie und zeigen Widerstandskraft inmitten der Grausamkeit.
Räuber von der Barbareskenküste verbreiteten in ganz Europa Angst und Schrecken und erreichten Orte wie Devon, Cornwall und im Jahr 1627 sogar Island, wo Piraten über 400 Menschen verschleppten und in lebenslange Knechtschaft verschleppten.
Zeugen berichteten von Schrecken: Familien wurden auseinandergerissen, Dörfer niedergebrannt und Gefangene weit weg von zu Hause verkauft. Diese weiße Sklaverei terrorisierte die Küsten jahrhundertelang – eine Wahrheit, die in den heutigen Erzählungen ausgeklammert wird.
Durch die Kastration wurden Eunuchen für Harems geschaffen. Allein im Sudan der viktorianischen Ära starben jährlich 35.000 Jungen aufgrund misslungener Operationen, um 3.500 Überlebende zu schaffen.
Sklavinnen wurden regelmäßig misshandelt und kamen nach brutalen Reisen selten als Jungfrauen in Ägypten oder Arabien an. Solche Praktiken verdeutlichen ein Ausmaß an Barbarei, das einer ehrlichen Auseinandersetzung bedarf.
Heute sind in Mali über 200.000 Menschen in der Sklaverei auf der Grundlage ihrer Abstammung gefangen. Die Menschen dort werden durch ihre Vorfahren in die Sklaverei hineingeboren und sind bei Widerstand mit Gewalt konfrontiert.
UN-Experten fordern Kriminalisierung, doch kulturelle Normen und schwache Gesetze lassen sie bestehen. Opfer wie ein rebellischer Mann in Bamako künden trotz Armut von innerer Freiheit.
In Marokko hielt sich König Hassan II. bis zu seinem Tod im Jahr 1999 Dutzende junger Konkubinen und entsprach damit den königlichen Traditionen.
Saudi-Arabien hält 740.000 Menschen in moderner Sklaverei, die durch die Ausbeutung von Migranten im Rahmen des Kafala-Systems gefördert wird. Diese Länder halten an einer jahrhundertealten „Tradition“ der Versklavung von Ausländern fest.
Marozzis furchtlose Geschichte enthüllt diesen anhaltenden Albtraum, von dem wir glauben, er sei längst vorbei. Er beleuchtet auch ein vergessenes Kapitel der Weltgeschichte, das viele Historiker geflissentlich übersehen haben, sodass sie der westlichen Welt alle erdenklichen Übel zuschreiben konnten.