
In der ZDF-Doku “Inside CDU” ließ sich Philipp Amthor einen Strandkorb auf den Kanzleramtsbalkon rollen. “Ein Stück Heimat”, wie er sagte. Das Netz sah “spätrömische Dekadenz”. Nun geht der Korb wieder. Manche Politiker lernen eben erst im Gegenwind, was Zurückhaltung bedeutet. Amthor wirkt wie eine männliche Marie Antoinette im Palast des Sonnenkönigs.
Privat bezahlt, öffentlich verhöhnt und jetzt brav zurück an die Ostsee: Der Staatsminister Philipp Amthor bereicherte die Medienwelt mit einer Posse rund um sein maritimes Statussymbol auf der Terrasse des Kanzleramtes. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der sich Millionen Menschen über Distanz seines Chefs Friedrich Merz zum Alltag der Menschen echauffieren.
Vom Balkon mit Aussicht zum Rückzieher mit Ansage
Was war geschehen? Staatsminister Philipp Amthor (CDU) wollte ein bisschen Ostsee-Feeling mitten in Berlin. In der zweiten Staffel der ZDF-Dokumentation “Inside CDU” ließ er sich filmen, wie ein schlichter Zweisitzer des Modells “Original Heringsdorfer” auf den Balkon vor seinem neuen Büro im Kanzleramt rollte. “Ja, das sieht doch super aus”, kommentierte er zufrieden. Für den “unwahrscheinlichen Fall”, dass er sich mal erholen wolle, könne man den Korb ja Richtung Kanzlergarten drehen.
Das Netz verstand die Geste anders. “Spätrömische Dekadenz im Endstadium”, “Ludwig XIV. wirkt daneben bodenständig”, “Soll das Volk doch Kuchen essen”: So hagelte es Kommentare unter dem ZDF-Clip. Manche Zuschauer hielten die Szene zunächst für Satire oder KI-Fake. Innerhalb weniger Tage hatte sich der Strandkorb vom privaten Heimat-Symbol zum öffentlichen Ärgernis gemausert.
Privat finanziert: Aber die Symbolik des Strandkorbes war fehl am Platze
Das Kanzleramt beeilte sich klarzustellen: Amthor habe den Korb privat gekauft, Anlieferung und Aufbau selbst bezahlt. Kein Steuergeld. Der Verkäufer Dirk Mund bestätigte, der Politiker habe bewusst das schlichteste Modell gewählt – “ein Stück Heimat, so wie er am Strand steht”. Preis: rund 1600 Euro plus Versand. Gefertigt im Wahlkreis auf Usedom.
Hilft aber wenig, wenn die Bilder erst einmal im Umlauf sind. Am Montag verkündete der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in der Bundespressekonferenz: Amthor nehme die Kritik “sehr ernst” und habe entschieden, den Strandkorb abtransportieren und zurück nach Mecklenburg-Vorpommern bringen zu lassen. Heimatverbundenheit ja, aber bitte ohne den Beigeschmack von Abgehobenheit.
Ein Lehrstück in politischer Möblierung
So endet die kurze Karriere des Kanzleramts-Strandkorbs. Was als liebevolle Geste an die Ostseeküste gedacht war, wurde zum Symbol für den feinen Unterschied zwischen “ich zahle es selbst” und “das wirkt trotzdem falsch”. Amthor hat reagiert, bevor aus Spott echte politische Schrammen wurden.
Der Korb steht jetzt vermutlich wieder da, wo er hingehört: an der Küste, ohne Regierungsblick und ohne Instagram-Kommentare.
Ob der Staatsminister künftig auf dem nackten Balkon sitzt oder sich ein unauffälligeres Heimat-Souvenir besorgt: das bleibt seine Privatsache. Öffentlich ist der Fall jedenfalls erledigt. Bis zur nächsten Doku-Szene.