
Anhänger von CDU und CSU beschäftigen sich einer Umfrage zufolge stärker mit den möglichen Folgen des Klimawandels als mit der Zuwanderung nach Deutschland. Das geht aus dem ARD-DeutschlandTrend von Oktober 2026 hervor. So sind 61 Prozent der Unionsanhänger wegen des Klimawandels besorgt, während nur 37 Prozent die Zuwanderung als ernsthaftes Problem betrachten.
Die politische Handlungsfähigkeit Deutschlands beschäftigt die Unionswähler allerdings noch stärker: 80 Prozent befürchten, dass die Parteien keine gemeinsamen Lösungen für wichtige politische Probleme finden. Auch die Auswirkungen der Politik von US-Präsident Donald Trump bereiten 77 Prozent Sorgen. 71 Prozent sehen zudem die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz mit Besorgnis.
Bei den Anhängern der AfD ergibt sich ein nahezu umgekehrtes Bild. Für 94 Prozent von ihnen stellt die Zuwanderung nach Deutschland einen Grund zur Sorge dar. Zugleich befürchten 76 Prozent der AfD-Anhänger, ihren bisherigen Lebensstandard künftig nicht mehr aufrechterhalten zu können. Unter den Unionsanhängern sind es lediglich 29 Prozent.
Auch beim Thema Klimawandel unterscheiden sich die politischen Lager erheblich. Unter den AfD-Anhängern machen sich lediglich 28 Prozent darüber Sorgen. Ein russischer Angriff auf weitere europäische Staaten beschäftigt 68 Prozent der Unionsanhänger, aber nur 29 Prozent der AfD-Anhänger.
Bemerkenswert ist auch ein Vergleich mit den anderen Parteien. So äußern 93 Prozent der Grünen-Anhänger Sorgen über den Klimawandel, bei den Linken sind es 85 Prozent und bei der SPD 71 Prozent. Die Zuwanderung beschäftigt dagegen nur zehn Prozent der Grünen-Anhänger und acht Prozent der Linken-Anhänger. Unter den SPD-Anhängern liegt der entsprechende Anteil bei 35 Prozent und damit ebenfalls knapp unter dem Wert der Union.
Dass die Wählerschaft von CDU und CSU keineswegs geschlossen rechts der politischen Mitte steht, zeigt eine weitere Auswertung des Politikwissenschaftlers Julius Kölzer. Anhand von Daten der German Longitudinal Election Study (GLES) untersuchte er, wie sich Unionswähler und potenzielle CDU/CSU-Wähler auf einer politischen Skala zwischen links und rechts einordnen.
Die Ergebnisse zeigen über mehrere Bundestagswahlen hinweg ein ähnliches Muster. Auf einer Skala von 1 bis 10, bei der höhere Werte eine stärkere Orientierung nach rechts anzeigen, erreichten die Unionswähler 2013 im Durchschnitt 5,49 Punkte. Bei der Bundestagswahl 2017 sank der Wert auf 4,99 Punkte, um dann 2021 wieder auf 5,69 Punkte zu steigen. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichten die Unionswähler einen Durchschnittswert von 5,55 Punkten. Im November desselben Jahres lag dieser Wert bei 5,36 Punkten und im März beziehungsweise April 2026 bei 5,37 Punkten. Die Selbstverortung der Unionswähler hat sich somit in den vergangenen Monaten kaum verändert.
Etwas näher an der politischen Mitte beziehungsweise links der Unionswählerschaft positionieren sich jene Befragten, die CDU oder CSU grundsätzlich als Wahloption betrachten, ohne die Parteien aktuell zu wählen.
Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte diese Gruppe im Durchschnitt 4,97 Punkte. Im November 2025 waren es 4,92 Punkte, im März und April 2026 schließlich 4,91 Punkte. Damit liegt das zusätzliche Wählerpotenzial der Union auf der Links-Rechts-Skala regelmäßig links von ihrer tatsächlichen Wählerschaft. Für seine Auswertung berücksichtigte Kölzer Nichtwähler der Union, die sowohl ihrer Wahlwahrscheinlichkeit als auch der Bewertung von CDU und CSU mindestens sechs von zehn Punkten vergaben. Befragte aus Bayern wurden dabei der CSU zugerechnet.