
„EU CHARADE“ ist eine Art europaweite Plattform beziehungsweise ein loses Netzwerk von Bürgerinitiativen, lokalen Mandataren und Fachleuten, die die gegenwärtige europäische Energiepolitik ziemlich kritisch sehen. Am 09. September hat die Initiative vor dem Europäischen Parlament in Brüssel gegen die aus ihrer Sicht fehlgeleitete europäische Energiepolitik demonstriert. Im Zentrum des Protests stand Kritik am massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie, an steigenden Systemkosten sowie an Eingriffen in Landschaft, Natur und kommunale Selbstbestimmung. Die Kernbotschaft der Demonstrationsteilnehmer lautet: Dekarbonisierung ja – aber nicht um den Preis von Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Akzeptanz.
Gerade auch für Kärnten ist das Thema hochaktuell. Das Bundesland muss nämlich dem bundesweiten 27-TWh-Ausbaupfad folgen und bis 2030 zusätzlich 2,2 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Nach Angaben des rot-schwarz regierten Landes fehlen allein bei der Photovoltaik noch Anlagen für rund 279 Gigawattstunden. Gleichzeitig ist der Ausbau der Windkraft außerhalb der Lobbyisten-Szene ökologisch und ökonomisch höchst umstritten. So wurde bis 21. Februar 2026 in Kärnten eine landesweite Bausperre für neue Windkraftanlagen verhängt; allerdings gelten seither wieder neue raumordnungsrechtliche Reglements.
Doch nicht nur in Kärnten, sondern europaweit wächst der Widerstand gegen großflächige Windparks, neue Stromtrassen und die Industrialisierung von Landschaftsräumen. Auf der einen Seite stehen EU- und Bundesziele, die einen rascheren Ausbau erneuerbarer Energien verlangen. Auf der anderen Seite stehen Initiativen wie „EU CHARADE“, die vor weiteren Ausbauentscheidungen fordert, dass stärker auf Kosten, Netzstabilität, Biodiversität, Gesundheit, Landschaftsschutz und Bürgerbeteiligung geachtet wird.
Für Kärnten stellt sich die bis dato weder von der Landesregierung noch aus Wien beantwortete Grundsatzfrage: Muss jedes aus dem Bürosessel dahinflatulisierte europäische Ausbauziel im Kadavergehorsam in zusätzliche Windräder und Freiflächen-PV übersetzt werden? Oder muss nicht vielmehr ein Land mit starker Wasserkraft, bestehender erneuerbarer Stromproduktion und sensiblen Alpenlandschaften einen völlig eigenen Weg gehen?
Kärnten zählt übrigens zu den Bundesländern in der Alpenrepublik, die ihre erneuerbare Stromerzeugung signifikant gesteigert haben. Doch davon unbeeindruckt hält man in Brüssel und Wien die Ausbauziele hoch – der Widerspruch der rot-grünen Kärntner Landesregierung hält sich in engsten Grenzen. Dabei gilt, dass der, der Akzeptanz sichern will, auch erklären muss, warum die neuen Anlagen notwendig sind, was sie tatsächlich kosten und welchen konkreten Nutzen sie eigentlich für Kärnten bringen.
Die Brüsseler Protestaktion hat uns unter anderem gezeigt, dass der wahnhafte Machtanspruch der EU-Kommission unter von der Leyen zunehmend kritisch gesehen wird und dass die Energiewende in vielen Ländern Europas als komplett gescheitert gilt. Und schließlich: Für die Kärntnerinnen und Kärntner scheint die Verspargelung und PV-Zuspiegelung der Kärntner Felder, Wälder und Höhenrücken keinen Sinn mehr zu ergeben. Denn nicht nur die ökologischen Folgen, auch die ökonomischen sind fragwürdig bis katastrophal.