
Der ehemalige grüne Europaabgeordnete und Symbolfigur des Mai 1968, Daniel Cohn-Bendit, hat eine geplante Buchvorstellung in Montpellier abgesagt, nachdem in einer von über 7.200 Menschen unterzeichneten Petition gegen seinen Auftritt protestiert worden war, wobei auf seine früheren Äußerungen zur kindlichen Sexualität verwiesen wurde.
Die für den 30. Juni in der städtischen Salle Pétrarque geplante Veranstaltung sollte seinem neuen Buch „Souvenirs d’un apatride“ Werbung machen.
Die Anwohnerin Bérengère Dubus startete die Petition auf Change.org und bezeichnete die Einladung als „eine Beleidigung für alle Opfer und einen Freibrief für Pädophilie“.
„Cohn-Bendit einladen, um über Europa zu sprechen? Und warum nicht Epstein, um über Finanzen zu sprechen?“, erklärte sie in der Beschreibung der Petition.
Die Petition fand schnell über alle politischen Lager hinweg Unterstützung und erzwang die Absage.
Dubus ist Gründerin und Vorsitzende der Union des Intermédiaires de Crédit (UIC), der ersten nationalen Gewerkschaft für Hypotheken- und Finanzvermittler in Frankreich.
Sie hat sich zudem zu Themen wie Familie, Kinderschutz, Kommunalpolitik und wirtschaftliche Freiheit geäußert, ist in Frankreich jedoch keine bekannte Persönlichkeit.
Cohn-Bendit, Mitbegründer der deutschen Grünen und langjähriger französischer Europaabgeordneter der Grünen, stand wegen Äußerungen aus den 1970er Jahren wiederholt in der Kritik.
In seinem 1975 erschienenen Buch „Le Grand Bazar“ beschrieb er erotische Begegnungen mit Kindern während seiner Tätigkeit in einem alternativen Kindergarten in Frankfurt.
Bei einem Auftritt in der Fernsehsendung „Apostrophes“ im Jahr 1982 erklärte er: „Die Sexualität eines Kindes ist absolut fantastisch, da muss man ehrlich sein. Wenn ein kleines fünfjähriges Mädchen anfängt, dich auszuziehen, ist das fantastisch, es ist ein erotisch-manisches Spiel.“
Er hat diese Passagen wiederholt als provokative Fantasie und als Produkt des antiautoritären Klimas jener Zeit beschrieben und darauf bestanden, dass er niemals sexuellen Missbrauch begangen habe.
Ehemalige Eltern und Kinder des Kindergartens verteidigten ihn später öffentlich.
Dennoch tauchen die Äußerungen immer wieder auf und sind nach wie vor Gegenstand heftiger Kontroversen.
Cohn-Bendits Auseinandersetzung mit diesem Thema reicht bis in die breiteren Debatten der 1970er- und 1980er-Jahre innerhalb von Teilen der deutschen Grünen-Bewegung zurück, in denen zeitweise Forderungen nach einer Entkriminalisierung bestimmter Formen sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern laut wurden – ein Kapitel, das die Partei später offiziell bedauerte.
Daniel Cohn-Bendit ist ein prominenter und engagierter Euro-Föderalist.
Im Jahr 2012 verfasste er gemeinsam mit Guy Verhofstadt das Buch „Für Europa“, in dem er ein vollständig postnationales, föderales Europa mit deutlich stärkeren EU-Institutionen, einer europäischen Regierung und eingeschränkten nationalen Vetorechten forderte.