
Die große Koalition will alle 33 Vorschläge der Rentenkommission eins zu eins umsetzen. Statt echter Entlastung drohen längeres Arbeiten, höhere Beiträge und unsichere Kapitalexperimente.
Kaum hat die Rentenkommission ihren Bericht übergeben, verkünden Kanzler Friedrich Merz und Ministerin Bärbel Bas die Vollumsetzung. Für viele Bürger könnte das Paket jedoch vor allem eines bedeuten: Später in Rente, mehr zahlen und am Ende weniger Sicherheit. Und die Minijobs stehen ebenfalls vor dem Aus.
Friedrich Merz erklärt eiskalt: “Alle Elemente dieses Reformpakets, ich betone, alle Elemente müssen jetzt zügig umgesetzt werden.”
Schnelles Einvernehmen statt gründlicher Prüfung
Am 23. Juni 2026 übergab die Rentenkommission ihr 33-Punkte-Paket an die Bundesregierung. Nur Stunden später standen Merz und Bas vor der Presse und versprachen eine vollständige und zügige Umsetzung. “Kein Rosinenpicken”, hieß es von Bas. Kritische Stimmen aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und Opposition werden übergangen.
Längeres Arbeiten und gekappte Frühverrentung
Kern des Pakets ist die weitere Anhebung des Renteneintrittsalters, gekoppelt an die steigende Lebenserwartung. Diskutiert wird offen eine Entwicklung in Richtung Rente mit 70 in der Zukunft. Gleichzeitig sollen Anreize für die Frühverrentung stark beschnitten werden. Für körperlich schwer arbeitende Menschen, die oft schon mit 60 ausgebrannt sind, eine bittere Nachricht. Die Politik verspricht Übergangsfristen, doch viele Betroffene fürchten, dass sie schlicht länger durchhalten müssen, ohne echte Wahl.
Neue Kapitalrente als riskantes Experiment
Besonders umstritten ist die geplante verpflichtende Kapitalrente. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen zusätzliche Beiträge leisten, die am Kapitalmarkt angelegt werden. Merz spricht von “positiven Effekten des Kapitalmarkts”. Doch die Erfahrungen mit solchen Modellen sind gemischt. Börsencrashs, Inflation oder schlechte Renditen könnten die erhofften Zusatzrenten schnell schmelzen lassen. Statt solider Umlagefinanzierung setzt die Regierung auf Spekulation mit dem Geld der Versicherten.
Fehlende Mut zu echten Strukturreformen
Statt das System grundlegend zu modernisieren, etwa durch eine echte Erwerbstätigenversicherung, die alle Einkommensgruppen einbezieht, bleibt die Koalition beim kleinsten gemeinsamen Nenner. Beamte und Selbstständige werden nur zögerlich einbezogen. Sozialverbände warnen bereits vor steigender Altersarmut und einem heißen Rentensommer voller Proteste.