Die deutsche Justizministerin will, dass Schwarzfahren entkriminalisiert wird, um die Belastung von Gerichten und Gefängnissen zu verringern

Symbolbild GROK

Deutschlands Justizministerin Stefanie Hubig hat sich für die Entkriminalisierung der Fahrkartenhinterziehung im öffentlichen Nahverkehrssystem des Landes ausgesprochen – um den Druck auf das deutsche Justizsystem zu verringern.

“Meiner Ansicht nach gibt es gute Gründe für die Entkriminalisierung”, sagte der Politiker der Sozialdemokraten (SPD) heute der Zeitung NOZ.

“Gehören Menschen wirklich ins Gefängnis, wenn sie sich kein Ticket leisten können?”, fragte Hubig. Sie fügte hinzu, dass die Strafverfolgung von Fahrpreisverziehern Ressourcen des Justizsystems binden würde, die anderswo besser genutzt werden könnten.

Der Appell des Ministers um Nachsicht kam bei den öffentlichen Verkehrsanbietern nicht gut an.

Der Verband deutscher Verkehrsanbieter (VDV) erklärte: “Fahrkartenhinterziehung führt jährlich zu Einnahmeverlusten für öffentliche Verkehrsanbieter in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Sie beraubt dem Sektor wichtige Mittel zur Bezahlung von Gehältern, Fahrzeugen, Infrastruktur und Sicherheit.”

Die Vereinigung fügte hinzu, dass die Entkriminalisierung “ein völlig falsches Signal” senden und “Verhalten begünstigen würde, das mangelnde Solidarität mit ehrlichen Fahrgästen zeigt”.

Die VDV fügte hinzu, dass die Entkriminalisierung auch die Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs gefährden würde, da es schwieriger wäre, die Unterstützung der Polizei gegen aggressive Fahrkartenhinterzieher zu gewinnen.

In letzter Zeit musste Deutschland mit mehreren viel beachteten gewalttätigen Angriffen auf Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs umgehen.

Im Februar 2026 soll ein Fahrkartenhinterzieher einen Zugführer in einem deutschen Regionalzug nahe Kaiserslautern im Rheinland zu Tode geprügelt haben. Und gestern hat ein angeblich 13-jähriger irakischer Jugendlicher einen Busfahrer in Leipzig so heftig verprügelt, dass der 62-jährige Mann sich einer Notoperation unterziehen musste und ins Koma fiel.

Die Unterstützung für Hubig kam vom Verband deutscher Anwälte (DAV). Sprecher Swen Walentowski sagte, die Klagen gegen Fahrpreisverzieher kosten die deutschen Steuerzahler jährlich rund 200 Millionen Euro.

Das Fahren eines Busses oder Zuges ohne gültiges Fahrticket ist in Deutschland nach Art. 265a des Strafgesetzbuches eine Straftat und wird mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft.

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