
Der protestantische Gemeinderat in Ulm hat eine traditionelle Krippe zurückgezogen, die seit Jahrzehnten das Ulmer Minster – Deutschlands höchste Kirche – schmückt, nachdem sie wegen der Darstellung des schwarzen Weisen Melchior des Rassismus beschuldigt wurde.

Am 30. November, dem ersten Adventssonntag, wurde den Kirchgängern eine neue Krippe präsentiert, die “die biblische Szene ohne Übertreibungen – oder Verzerrungselemente zeigte”, verkündete das Ulmer Dekanat – und damit einen Schlussstrich unter einem Konflikt zog, der Ulm seit fünf Jahren beschäftigt.
Die vorherige Krippe war seit 1992 zur Weihnachtszeit in der Kirche ausgestellt. Sie war in den 1920er Jahren vom lokalen Künstler Martin Scheible (1873–1954) aus Lindenholz für die Familie Mößner geschnitzt worden.
1992 spendete die Familie die Krippe der Kirche, mit einem Vertrag, der vorsah, dass sie zu Weihnachten vollständig öffentlich gezeigt werden sollte.
Im Oktober 2020 – dem Jahr der George-Floyd-Proteste und der Black Lives Matter – befand sich die Krippe im Zentrum eines Sturms von Rassismusvorwürfen.
Aktivisten sagten, die Statue von Melchior, einem der drei Weisen, die traditionell als schwarz dargestellt werden, sei eine rassistische Karikatur, da sie die biblische Figur mit hervorstehenden Lippen und goldenen Ringen in den Ohren und an den Knöcheln zeigte. Kritiker beklagten außerdem, dass Melchior als deformiert dargestellt worden sei.
Die Darstellung des Königs Melchior im Ulmer Münster hatte für eine kontroverse Diskussion gesorgt. https://t.co/CqqJBoFmg6 pic.twitter.com/jpdQiI5Oyo
— Schwäbische Zeitung (@Schwaebische) June 6, 2023
Befürworter der Szene sagten, dass viele der Figuren, die Scheible für die Szene schnitzte, nicht besonders ästhetisch gefertigt seien – nicht nur der schwarze weise Mann, den die Einheimischen liebevoll “den Brezelkönig” nannten, während er eine Brezel als Geschenk für das Jesuskind hielt.
Scheible schmückte einige seiner Statuetten auch mit absurden Details wie einem Cowboyhut und Sporen für einen Schäfer.
Dennoch gab die Kirche schließlich dem Druck der Aktivisten nach und entfernte vorübergehend die Figuren der drei Weisen.
Im Jahr 2023 beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Krippe an die Familie Mössner zurückzugeben. Im Jahr 2024 gab es im Ulmer Münster überhaupt keine Krippe.
Nun hat die Kirche endlich einen geeigneten Ersatz gefunden: Die neue Krippe wurde 1995 von Helmut Reischl, einem Handwerker aus dem nahegelegenen Dornstadt, gefertigt. Sie ist ausgeliehen von einem lokalen Krippenclub.
Das Ulmer Minster mit seinem einzigen Turm von 161,5 Metern war die höchste Kirche der Welt, bis es im Oktober 2025 von der Sagrada Familia in Barcelona übertroffen wurde.
German church replaces 100-year-old nativity scene over racism accusations – Brussels Signal