Ein neuer Rekord – und kein Grund zum Feiern: Im ersten Halbjahr 2025 wurden bundesweit über 76.000 Asylklagen bei den Verwaltungsgerichten eingereicht. Damit ist bereits jetzt die Marke des gesamten Vorjahres übertroffen – und drei Viertel des 2022er-Niveaus erreicht. Die Justiz ächzt, der Rechtsstaat wankt.
Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen mit über 13.000 Klagen, Bayern mit über 11.400, Niedersachsen mit fast ebenso vielen – und das bereits zur Jahresmitte. Die Gerichte geraten zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Verfahren stauen sich, Urteile verzögern sich, das Vertrauen in das System schwindet.
Der Grund für den Anstieg? Paradoxerweise nicht eine neue Welle an Asylanträgen – sondern das Gegenteil. Weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) endlich schneller entscheidet, explodiert die Zahl der Ablehnungen – und damit auch die Klagewut der Abgelehnten. Mehr Tempo bei der Bürokratie bedeutet also mehr Druck auf die Justiz.
Die Folgen sind dramatisch: In immer mehr Bundesländern zieht sich ein Asylverfahren über ein Jahr hin – in Hessen gar bis zu 19 Monate. In Bayern sind es im Schnitt bereits 7,1 Monate, im Saarland 9 Monate, in elf Ländern liegt die Dauer zwischen zehn und neunzehn Monaten. Eine Farce für alle, die auf Gerechtigkeit angewiesen sind – sei es für Abschiebung oder Schutz.
Was hier deutlich wird, ist nicht nur eine Überlastung der Gerichte. Es ist ein grundlegender Systemfehler: Ein migrationspolitischer Apparat, der weder effizient, noch glaubwürdig, noch gerecht agiert. Wer heute einen abgelehnten Asylbescheid bekommt, hat längst kein finales Urteil in der Hand – sondern eine Eintrittskarte für ein juristisches Labyrinth, das sich über Jahre zieht und den Aufenthalt faktisch verlängert.
Asylklage-Rekord sprengt Justiz – Rechtsstaat auf dem Prüfstand – Zur Zeit
