Eine Nonprofit-Organisation in Berlin hat die Aufzeichnung der Lesung eines jungen deutschen Autors von ihrer Website gelöscht, nachdem dieser beiläufig verraten hatte, dass er einen Artikel für ein Nachrichtenportal geschrieben hatte, das von vielen in der deutschen Linken als „rechts“ angesehen wird.
Am 12. Juni las Jens Winter, ein 33-jähriger deutscher Journalist, im Literaturforum des Brecht-Hauses in Berlin, dem letzten Wohnsitz des berühmten deutschen Schriftstellers Berthold Brecht vor seinem Tod im Jahr 1956, aus seinem kürzlich fertiggestellten ersten Roman Im langen Sommer Geboren.
Das Brecht-Forum wurde von der Stadt Berlin mit Steuergeldern kofinanziert.
Winters Roman schildert die Erlebnisse eines namenlosen Protagonisten, der sich durch die Kulturszene seines Berliner Kiezes treiben lässt.
XS, Winters Verlag, schrieb: „Mit scheinbarer Naivität und boshaftem Humor zeichnet Jens Winter eine Topographie der deutschen Linken im Zustand fortgeschrittenen Verfalls.“
Nach der Lesung, so Winter, habe er bei einem Sektempfang beiläufig erwähnt, dass er einen Artikel für Nius geschrieben habe, ein deutsches Online-Nachrichtenportal, das von Julian Reichelt, dem ehemaligen Chefredakteur der Bild-Zeitung, betrieben wird.
„Ich sagte im Scherz: ‚Das macht uns irgendwie zu Feinden‘ und lachte“, schrieb Winter in einem Beitrag über den Abend. Nius wird von vielen in der deutschen Linken als rechtspopulistisches Blatt angesehen.
Winter sagte, er habe keine Gegenreaktion auf seine humorvolle Bemerkung erwartet, da er die Leute auf dem Literaturforum von seiner früheren Arbeit für die Organisation kenne.
Trotzdem teilten ihm die Organisatoren nur 15 Stunden nach der Veranstaltung mit, dass sie beschlossen hätten, die Aufnahme von ihrer Website zu entfernen. Sie teilten ihm mit, dass sie nichts von seinem Schreiben oder dem Nachrichtenportal gewusst hätten und dass „uns das nicht passt“.
Das Portal Brussels Signal stellte fest, dass die Aufzeichnung nicht mehr auf der Website des Literaturforums zu finden war.
Winter äußerte sich besorgt über die Löschung.
“Ich habe das Haus gefragt, ob es die fehlende Lesung jemals wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen wird. Eine Antwort habe ich noch nicht erhalten”, sagte er.
In dem Artikel, den Winter für Nius schrieb, kritisierte er die linksgerichtete Partei Die Linke. Die Linke – die selbsternannte Nachfolgeorganisation der ehemaligen ostdeutschen kommunistischen Einheitspartei SED – ist in Berlin besonders stark.
Jüngste Umfragen sehen die Partei mit 19 Prozent der Stimmen nach den Konservativen als zweitstärkste Partei in der deutschen Hauptstadt.
Brussels Signal hat das Literaturforum des Brecht-Hauses um eine Stellungnahme gebeten, aber bei Redaktionsschluss noch keine Antwort erhalten.
German literature forum cancels author over article for ‘right-wing’ news site – Brussels Signal
