Unter den Anhängern der großen politischen Lager in Deutschland geben die Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen am ehesten an, dass sie sich ärgern, wenn sie mit Meinungen konfrontiert werden, die von ihren eigenen abweichen.
In der vom Allensbach-Institut für die Frankfurter Allgemeine Zeitung durchgeführten Umfrage wurden die Befragten gefragt, ob sie sich oft über Menschen ärgern, die völlig andere politische Ansichten vertreten, oder ob sie damit in der Regel kein Problem haben.
Laut den am 17. April veröffentlichten Ergebnissen gaben 28 Prozent der Grünen-Wähler an, dass sie sich oft über abweichende Meinungen ärgern – der höchste Wert unter den Wählerschaften der großen Parteien.
Demgegenüber standen 24 Prozent der Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD), 19 Prozent der Wähler der Christlich-Demokratischen Union/Christlich-Sozialen Union (CDU/CSU) und 18 Prozent der Wähler der Sozialdemokratischen Partei (SPD). Der nationale Durchschnitt lag bei 21 Prozent.
Die Umfrage, die zwischen dem 23. März und dem 9. April 2026 unter 1.057 für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren repräsentativen Befragten durchgeführt wurde, deutete zudem darauf hin, dass Menschen mit höherem Bildungsniveau nicht unbedingt offener für abweichende Meinungen sind, obwohl gemeinhin das Gegenteil angenommen wird.
Wie bei anderen Umfragen dieser Größenordnung beträgt die Fehlerquote mehrere Prozentpunkte, was bedeutet, dass die Ergebnisse eher auf ein allgemeines gesellschaftliches Muster hindeuten als auf eine exakte Messung des parteipolitischen Temperaments.
Die Allensbach-Studie war Teil einer umfassenderen Untersuchung zu Hörgewohnheiten und Kommunikation in der deutschen Gesellschaft.
Während sich zwei Drittel der Befragten als gute Zuhörer bezeichneten und 80 Prozent angaben, dass Zuhören Teil einer respektvollen Beziehung sei, zeigte die Umfrage eine deutliche Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Verhalten auf.
Unter denjenigen, die sich selbst als gute Zuhörer betrachteten, gab jeder Vierte dennoch zu, dass es manchmal schwierig sei, geduldig zuzuhören und die eigene Meinung für sich zu behalten.
Eine Mehrheit der Befragten – 57 Prozent – gab an, dass es in ihrer Familie oder ihrem Freundeskreis mindestens eine Person gebe, mit der es ihrer Meinung nach keinen Sinn mache, über politische Themen zu diskutieren, da die Meinungen einfach zu weit auseinanderlägen.
Die Umfrage ergab zudem, dass Freundeskreise im realen Leben tendenziell politisch homogener waren als die digitalen Netzwerke der Menschen in den sozialen Medien.
Intensive Nutzer sozialer Medien gaben zudem häufiger an, Schwierigkeiten zu haben, geduldig zuzuhören oder Unterbrechungen zu vermeiden, wenn andere sprachen.
Diese Ergebnisse erscheinen vor dem Hintergrund einer allgemeinen Besorgnis in Deutschland – wie auch anderswo in Europa – über politische Polarisierung, schwindende Gemeinsamkeiten und eine abnehmende Bereitschaft, sich ernsthaft mit gegensätzlichen Ansichten auseinanderzusetzen.
Dennoch deutete die Umfrage darauf hin, dass die meisten Menschen trotz politischer Meinungsverschiedenheiten weiterhin persönlichen Kontakt pflegten, was darauf hindeutet, dass die sozialen Beziehungen noch nicht so stark zerbrochen sind, wie es die öffentliche Debatte vermuten lassen könnte.
