
Die Bundesregierung will ab 2027 eine Zuckersteuer erheben – und trifft damit weit mehr als nur klassische Limonaden. Selbst zuckerfreie Getränke wie Cola Zero sollen laut einem Papier des Bundesfinanzministeriums unter die Abgabe fallen.
Weite Definition von Zuckergetränken
Neben Softdrinks sollen auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke und Fertigkaffees erfasst werden. Auch zusätzlich pflanzliche Milchalternativen wie Hafer- und Sojamilch sowie alkoholfreies Bier und Wein sollen betroffen sein. Die Pläne gehen über frühere Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit hinaus und senken die Einstiegsschwelle auf 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter.
Staat soll verdienen, Bürger sollen draufzahlen
Die Höhe der Abgabe richtet sich nach dem Zuckergehalt: Bei 4,5 bis sieben Gramm Zucker je 100 Milliliter fallen 26 Cent pro Liter an, bei mehr als sieben Gramm 32 Cent und ab mehr als zehn Gramm 38 Cent. Für Getränke mit Süßstoffen gilt unabhängig vom Zuckergehalt ebenfalls der Satz von 26 Cent je Liter. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. SPD-Finanzminister Lars Klingbeil rechnet für 2027 mit Einnahmen von 650 Millionen Euro, danach mit jährlich 450 Millionen Euro. Ursprünglich war der Start für 2028 vorgesehen. Anders als zunächst angestrebt, soll es sich nicht um eine zweckgebundene Abgabe zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung handeln, sondern um eine allgemeine Steuer.
Für die Verbraucher bedeuten die Zahlen spürbare Aufschläge. Ein Zwei-Liter-Eistee, der bislang 2,10 Euro kostet, würde nach Berechnungen auf rund 2,72 Euro steigen – ein Plus von fast 30 Prozent. Eine Ein-Liter-Flasche Coca-Cola könnte von 1,23 Euro auf 1,68 Euro klettern, ein Anstieg um beinahe 37 Prozent. Auch Zero-Varianten würden teurer, obwohl sie keinen Zucker enthalten.
Union hält sich bedeckt
Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich im Zuge der Verhandlungen über das Sparpaket für die Krankenkassen grundsätzlich auf eine solche Maßnahme geeinigt. Die CDU hatte eine Zuckersteuer auf ihrem Parteitag im Februar 2026 noch abgelehnt. Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler, reagierte zurückhaltend: Die vorliegenden Eckpunkte seien zunächst ein Arbeitspapier. In welcher Form daraus ein Gesetz werde, bleibe dem weiteren Verfahren vorbehalten. Man werde sich den konkreten Regierungsentwurf anschauen. Der Wirtschaftsrat der CDU hatte die Pläne zuvor grundsätzlich kritisiert.